Elwe: Vom Gefängnis zur Luxus-Unterkunft

Online seit: Freitag, 29.09.2017
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Es ist sozusagen ein Happy End für den ehemaligen Knast in Kassel. Jahrelang waren die Insassen alles andere als freiwillig da - und jetzt geben Gäste sogar über 1000 Euro für einen einwöchigen Aufenthalt aus. Das alte Gemäuer wurde umgebaut, in ein sogenanntes Boardinghaus. Am 30. Oktober 2017 wird es offiziell eröffnet - unsere Reporterin Alex Pitronik durfte vorab schonmal gucken.

Daten und Fakten rund um die Elwe

  • Der Name: Das ehemalige Kasseler Untersuchungsgefängnis hat die Adresse Leipziger Straße 11, wovon "Elwe" als nordhessischer Dialekt abgeleitet ist.
  • Die Geschichte: Seit 1876 steht das Grundgebäude der Justizvollzugsanstalt; die Nebengebäude entstanden 1906. Bis 1969 diente die Elwe als Justizvollzugsanstalt (JVA) für Männer und Frauen, ehe ihre Aufgaben in die JVA Wehlheiden verlagert wurden. Seit 2001 war das Gefängnis wieder selbstständig und beherbergte erwachsene Männer in Untersuchungs- und Abschiebehaft. Auch männliche Jugendliche wurden hier untergebracht. Außerdem fungierte es als Sammeltransportstelle für Gefangene, die innerhalb Deutschlands verlegt wurden. Die Schließung folgte 2009 wegen zu hoher Sanierungskosten.

  • Der Umbau: 2010 gründen der Baunataler Unternehmer Gotthard Feld und der Kasseler Rechtsanwalt Christopher Posch die Elwe GmbH, mieten das ehemalige Gefängnis und sanieren es für 200.000 Euro. Aus der JVA entsteht ein Hotel, was die Elwe GmbH 2012 für 570.000 Euro kauft. Da das Hessische Immobilienmanagement zuvor einen Sachverständigen eingeschaltet hatte und das Baudenkmal öffentlich zum Kauf angeboten hatte, stieg der Kaufpreis, was beinahe zu einem Scheitern der Verhandlung geführt hätte. Letztlich war die Elwe GmbH bereit, das Geld zu investieren.
  • Das Hotel: 2010 entstanden 90 Hotelzimmer aus den ehemaligen Zellen in der Elwe. Vor allem Besucher der documenta 13 sollten von dem Projekt profitieren. Das ehemalige Gefängnis langfristig zum Hotel auszubauen war jedoch zu teuer. Die Hotel-Idee war für die Elwe GmbH ein Erfolg. Zur Documenta im Jahr 2012 lagen 7000 Buchungen für die 90 Zellen vor. Die Zellen wurden bewusst spartanisch eingerichtet, um an den grauen Gefängnisalltag zu erinnern. Einziger "Luxus": die Toilette auf dem Gang, sodass nicht die offene Zimmertoilette benutzt werden muss.
  • Die Miet- und Eigentumswohnungen: Am 17. Oktober 2016 ist der erste Mieter in eine der 50 neuen Apartments, im ehemaligen Untersuchungsgefängnis, eingezogen. Nichts erinnert mehr an die Zellen, lediglich die dicken Wände und die Backsteinfassade lassen auf ein älteres Gebäude schließen. Der Mietpreis des Hafenstraßen-Flügels von Christopher Posch beträgt neun Euro pro Quadratmeter kalt. Außerdem entstanden Apartments, die an Privatpersonen verkauft wurden.
  • Die Kosten: Insgesamt sind 5,5 Millionen Euro in Umbau und Sanierung der Elwe geflossen.

(Quelle: Wikipedia)

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