Geisterfahrer vor Gericht: Katharina und Paulo erleben den Autobahn-Horror

Am 15.05.2019 veröffentlicht

Die Nacht des dritten Novembers 2018 werden Katharina Mohr und Paulo Ferreira für immer in schrecklicher Erinnerung bleiben. Das Pärchen war auf der A5 in der Nähe von Darmstadt unterwegs, als ihnen plötzlich ein LKW entgegenkommt. Paulo warnt seine Freundin in der letzten Sekunde, sie reagiert blitzschnell und kann einen Frontalzusammenstoß vermeiden. Der LKW rammt die beiden - sie kommen mit dem Leben davon. Noch heute plagen die beiden körperliche Verletzungen, Ängste und Albträume.

"Ich habe gehofft, dass wir nicht sterben. In diesem Moment funktioniert man einfach", erinnert sich Katharina zurück. Ihrer Reaktion ist es zu verdanken, dass sie und ihr Freund heute noch am Leben sind. Splitter der Windschutzscheibe bohrten sich in ihr Gesicht, ihre Hornhaut sowie ihr Kiefer wurden zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. Laut eigener Aussage kann die 32-Jährige keine Autobahn mehr fahren – das Erlebte lässt sie nicht mehr los.

Was ist passiert?

Ein betrunkener LKW-Fahrer ist am 3. November 2018 insgesamt 15 Kilometer lang auf der Autobahn 67 und der Autobahn 5 nahe Büttelborn in die falsche Richtung gefahren. Immer wieder kam es während der Geisterfahrt zu gefährlichen Situationen, bis der 47-Jährige LKW-Fahrer schließlich in die Seite des schwarzen BMW‘s von Katharina und Paulo kracht. Die Polizei konnte die Fahrt nach rund 20 Minuten stoppen, in der Fahrerkabine fanden sie zwei Flaschen Whiskey und stellten bei dem Fahrer einen Blutalkoholwert von 1,48 Promille fest.

Prozess in Darmstadt

Katharina und Paulo sind am heutigen Mittwoch als Zeugen am Darmstädter Landgericht geladen. Dem LKW-Fahrer wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Im Gerichtssaal wirkt er geschockt, ist ruhig, schüttelt den Kopf und schließt die Augen. Am Tage des Unfalls will er um 17 Uhr seinen ersten Drink und zuvor zwei Grippetabletten genommen haben. Er spricht von Erinnerungslücken und kann sich nur an einzelne Bilder erinnern. Seiner Aussage nach haben sich die 15 Kilometer Irrfahrt lediglich wie ein kurzer Augenblick angefühlt.

Der 47-Jährige ist seit September Fahrer eines großen Lasters, vorher arbeitete er über 20 Jahre als Busfahrer – unfallfrei. Auch betrunken sei er noch nie zuvor gefahren.

Unser Reporter Andreas Schopf hat Katharina und Paulo getroffen.

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