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App statt Kontaktsperre: Corona-Infektionswege bald digital nachvollziehbar?

Im Kampf gegen die rasche Verbreitung des Coronavirus wollen Politiker der Union mit digitalen Hilfsmitteln arbeiten. Sie fordern eine App, die möglichst jeder auf seinem Handy installieren solle. Das soll dann so funktionieren: Bei einem positiven Test auf Corona sollen anonymisierte Hinweise an alle Menschen versendet werden, mit denen man in den vergangenen Wochen Kontakt hatte. Das soll helfen, das Virus einzudämmen.

"Diejenigen, die das möchten, könnten eine App runterladen und ihre Daten freiwillig zur Verfügung stellen, damit auch schneller und niederschwelliger erkannt werden kann, ob jemand infiziert wird oder eben nicht", sagt Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Interview mit RTL und ntv. Besonders wichtig sei das für die Risikogruppen, so Bär. "Jeder Einzelne könnte helfen, indem er die App herunterlädt", sagt auch der CSU-Politiker Michael Kuffer. Eine entsprechende Kampagne ließe sich schnell in die Tat umsetzen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte eigentlich geplant, den Gesundheitsbehörden bei einer "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" zu erlauben, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand von Handy-Standortdaten zu ermitteln, dadurch ihre Bewegung zu verfolgen und sie im Verdachtsfall zu kontaktieren. Diese Idee stieß bei den Oppositionsparteien auf heftige Kritik.

App in Testphase

Ber der Entwicklung der App liegt nun die höchste Priorität auf der vollständigen Anonymität der Nutzer – Namen oder Kontaktinformationen sollen nirgendwo gespeichert werden. Derzeit wird die App von Soldaten in der Berliner Julius-Leber-Kaserne getestet. Diese Woche will die Bundesregierung weitere Pläne für die Verbreitung der Technologie veröffentlichen. Die App gilt als nützliches Mittel, um die Ansteckungsgefahr auch nach Lockerung der derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen möglichst gering zu halten.

Österreich startet "Stopp-Corona-App"-Kampagne

Das Rote Kreuz in Österreich hat bereits vergangene Woche eine "Stopp-Corona-App" präsentiert. Wer sie auf seinem Handy installiert, muss dafür keine personenbezogenen Daten preisgeben. Ähnliche Überlegungen werden inzwischen auch beim Deutschen Roten Kreuz angestellt. 

In Österreich gab es am Wochenende erstmals mehr Genesene als Neuinfizierte, daher gilt die App als eine sinnvolle Begleitmaßnahme, sollte die Regierung in unserem Nachbarland die Regeln lockern.

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