Zufahrtswege geräumt: Einsatz im Dannenröder Forst

Am 16.09.2020 veröffentlicht

Am Mittwochmorgen haben mehrere Dutzend Einsatzkräfte der Polizei damit begonnen, im Dannenröder Forst Barrikaden von Rettungs- und Zufahrtswegen zu entfernen. Seit Oktober letzten Jahres ist der Forst in der Nähe von Marburg von Aktivisten besetzt, die den Bau der Autobahn A49 durch den Wald verhindern wollen. Die Autobahn soll Kassel und Gießen miteinander verbinden. Die Rodung des Waldes ist für Oktober vorgesehen.

Konkret beschäftigt sich die Polizei mit der Räumung eines sogenannten "Tripods". Das ist eine Konstruktion aus drei langen Stangen, die im oberen Teil verbunden sind und so einen Turm bilden. Darauf sind mehrere Umweltschützer befestigt, um die Räumung zu erschweren.

In Zuge des Einsatzes holten die Beamten eine Aktivisten eines solchen Tripods herunter. Nach Polizeiangaben ist die Frau vorsorglich zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden, da sie lange Zeit ohne genug Flüssigkeit auf dem Gestell aus Baumstämmen gesessen habe. Während der Abfahrt des Rettungswagens hätten Aktivisten zunächst eine Sitzblockade veranstaltet. Teils seien die Protestierenden freiwillig zur Seite gegangen, andere wurden von Beamten weggetragen. 

Aktivisten kritisieren "sinnlose Autoinfrastruktur"

Die Gegner der Rodung von "Sand im Getriebe" haben eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es heißt: "Die heutige Räumung der Barrikaden ist eine Vorbereitung auf die Rodung des Dannenröder Waldes! Das ist skandalös: die schwarz-grüne Landesregierung zeigt damit, dass sie an 40 Jahre alten Planungen festhält." Nach Ansicht der Aktivisten bräuchte es eine "sozial-ökologische Mobilitätswende", keine "sinnlose Autoinfrastruktur".

Kritik am Vorgehen der Polizei

Aktivisten und Umweltschützer haben das Vorgehen der Polizei bei einem Einsatz im Dannenröder Forst kritisiert. Die Einsatzkräfte gefährdeten durch einen Mangel an Professionalität Menschenleben, erklärten die Waldbesetzer am Mittwoch. Nach ihrer Darstellung wurden Balken einer Barrikade bewegt, während eine Sitzblockade darunter noch nicht geräumt war. "Auch wir vom BUND sind vor Ort und fordern die Polizei auf, sofort die verantwortungslose Aktion einzustellen", sagte Olaf Bandt, Bundesvorsitzender des Naturschutzbundes BUND.

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