Strafe für Geisterfahrer: LKW-Fahrer zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

Am 17.05.2019 veröffentlicht

Am dritten November 2018 fuhr ein betrunkener LKW-Fahrer bei Darmstadt 15 Kilometer lang auf der Autobahn 67 und der Autobahn 5 in die verkehrte Richtung. Infolge dieser Geisterfahrt rammte er den Wagen eines jungen Pärchens. Die Polizei konnte den Fahrer nach etwa 20 Minuten stoppen. Am Freitag wurde er am Darmstädter Landgericht wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und schwerer Körperverletzung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Seine Fahrerlaubnis wird ihm für drei Jahre entzogen.

Am Mittwoch berichteten wir bereits vom Prozessauftakt und sprachen mit dem Pärchen Katharina und Paulo. Die beiden wichen dem LKW-Fahrer damals in letzter Sekunde aus und trugen glücklicherweise nur leichte Verletzungen davon. Psychisch haben sie jedoch nach wie vor stark mit dem Erlebten zu kämpfen. Den Schaden am Fahrzeug schätzt die Staatsanwaltschaft auf rund 30.000 Euro.

Anhand von Aufzeichnungen mit Kameras entlang der A5 konnte ein Unfallgutachter berechnen, dass der LKW zwischen 40 und 85 Stundenkilometer schnell fuhr. Der Angeklagte gab vor Gericht an, sich nicht mehr erinnern zu können. Nach eigenen Angaben hatte er auch Medikamente zu sich genommen. Der Gutachter hielt ihm zugute, dass er in seiner Situation keine andere Möglichkeit gehabt hätte, als weiterzufahren. Im Stillstand hätte er nicht mehr reagieren können, auf der gegenüberliegenden Spur sei zu viel Verkehr gewesen, um nach links auf den Standstreifen zu wechseln.

Angeklagter zeigt Reue

Vor der Urteilssprechung äußerte sich der LKW-Fahrer noch abschließend zum Fall. Er habe die letzten Monate viel nachgedacht und möchte sich aus ganzem Herzen bei allen entschuldigen, insbesondere bei der Nebenklägerin Katharina Mohr. "Ich bitte um Vergebung. Ich habe mich niemals bewusst hinter das Steuer gesetzt", sagte er. 

Unser Reporter Benjamin Holler war vor Ort und berichtet von der Urteilssprechung.

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