Landgericht Darmstadt: Mordprozess wegen Abstandsregelung unterbrochen

Am 21.04.2020 veröffentlicht

Kein ausreichender Abstand zwischen den Prozessbeteiligten - deshalb ist ein Mordprozess vor dem Landgericht Darmstadt am Dienstag nach Verlesung der Anklage unterbrochen worden. Der 43 Jahre alte Angeklagte soll vor knapp einem Jahr eine Frau in der Offenbacher Innenstadt erschossen haben. Frank Caspers und Andreas Schopf mit den Einzelheiten.

Nach der Anklage konnte die Hauptverhandlung aber nicht weitergehen: "Das Abstandsgebot kann hier nicht gewährleistet werden", sagte der Vorsitzende Richter beim Auftakt des Prozesses. Zwar wurde im Zuschauersaal auf Abstand geachtet, allerdings  mussten einige Sachverständige fortgeschickt werden, da sonst die Prozessbeteiligten zu nahe gesessen hätten. In dem schlecht belüfteten Gerichtssaal werde nicht der nötige Schutz der Beteiligten gegen das Corona-Virus gewährleistet, so das Gericht. Der Prozess werde deshalb unterbrochen. Nächster Termin sei voraussichtlich der 5. Mai.

Angeklagter stellte sich fünf Wochen nach der Tat

Vor knapp einem Jahr soll der Mann laut Anklage aus einem Auto heraus auf die 44-Jährige geschossen haben. Diese hatte in einem geparktem Wagen auf ihr Kind gewartet. Der tödliche Schuss traf die Frau durch das Seitenfenster in den Hals, sie starb noch am Tatort. Der Täter flüchtete anschließend. Nach etwa fünf Wochen stellte sich der 43-Jährige in einer Offenbacher Polizeiwache.

Opfer war Schwester der Ex-Freundin

Den Ermittlungen zufolge soll der Mann gezielt an den späteren Tatort in die Offenbacher Innenstadt gefahren sein, um die Frau zu erschießen. Bei dem Opfer soll es sich um die Schwester der ehemaligen Freundin des Angeklagten gehandelt haben. Der 43-jährige Marokkaner soll sie für die Trennung verantwortlich gemacht haben. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

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