Debatte im Landtag: Kita weitgehend gebührenfrei

Am 25.04.2018 veröffentlicht

Im Landtag werden in diesen Tagen letzte Korrekturen zur Abschaffung der Kitagebühren vorgenommen. Demnach sollen Kinder die Kita 6 Stunden beitragsfrei inklusive Mittagessen besuchen können. Die Kosten in Höhe von 136,50 Euro je Kind will das Land übernehmen.

Doch die Eltern der Kita Usingen sehen das zweigeteilt. Denn wer Qualität will, muss auch dafür zahlen. Andererseits freuen sie sich, hunderte von Euros zu sparen. Das ist auch im Landtag angekommen. Durch die Übernahme der Kosten für 6 Stunden wird die Qualität der Betreuung nicht besser. Denn Eltern, die ihre Kinder bisher aus Kostengründen nur 6 Stunden in die Kita gebracht haben, könnten sich nun entscheiden ihre Kinder länger in der Kita zu lassen, da es für sie dann bezahlbar wäre. Das bisherige Personal, was ohnehin schon knapp ist, würde nicht ausreichen. Räumlich könnten Kitas an ihre Grenzen stoßen. Der Landeszuschuss würde dann nicht ausreichen.

Kommunen müssen sich beteiligen

Die Kommunen müssen das Versprechen von Schwarz-Grün bezahlen und mit ausbaden. Denn wenn eine Kita für 6 Stunden Kosten in Höhe von 400 Euro hat, muss zukünftig die Kommune die Differenz übernehmen. Das Land hat die 6 Stunden mit Durchschnittskosten von 136,50 Euro pro Kind bemessen. Am Donnerstag wird das Gesetz vom Landtag verabschiedet. Die Zeit drängt. Denn schon in 3 Monaten soll dieses am 1. August 2018 in Kraft treten.


Interview mit einer Kita-Leiterin: 3 Fragen an Christel Berschet
Berschet ist Leiterin des Familienzentrums „Hand in Hand“ in Usingen und wir haben sie zur gebührenfreien Kita befragt. Sie ist seit Mitte der 1970er Erzieherin. Über 100 Kinder gehen in die Einrichtung. Viele Eltern geben ihre Kinder sehr früh ab, holen sie spät wieder, da sie nach Frankfurt pendeln.

  • Müssen Sie jetzt das Geschenk der Politik ausbaden?
    "Ich sehe das nicht als ausbaden. Ich finde das wunderbar, dass das gemacht wurde. Das ganze Kollegium steht auch dafür. Allerdings muss ich auch sagen, es hätte ein bisschen anders überdacht werden können. Es wäre gut gewesen wenn man zeitig die Fachleute mit ins Boot geholt hätte, um einfach auch dafür Sorge zu tragen, was gibt es denn noch zu beachten, beispielsweise was das Mittagessen angeht. Wir haben 100 Essen und stoßen jetzt schon an unsere Grenzen. Wir haben keine Lagerkapazitäten mehr. Wir müssen jetzt nacharbeiten und das kriegt man manchmal gar nicht so schnell auf den Weg gebracht."

  • Reichen die 6 Stunden Kitagebührenbefreiung aus?
    "In meinen Augen könnte es erweitert werden. Denn ich finde, es sollte eine Gleichheit sein. Also Bildung ist eigentlich Landes- bzw. Bundessache und da sollten eigentlich alle befreit werden von Null bis Ende der Schulzeit. Da sollte der Bund hineininvestieren. Und wir sollten einfach auch berücksichtigen, es gibt reiche und arme Kommunen und die armen Kommunen können sich das nicht erlauben, alles was über die 6 Stunden hinaus geht, einfach so schultern."

  • Wird am Ende durch die gebührenfreie KITA die Qualität leiden?
    "Die darf nicht leiden und sie wird auch nicht leiden. Denn die ist ja gebunden an Qualitätsstandards, die uns ja auch vorgeschrieben sind. Da wurde uns auch schon mitgeteilt, wer beispielsweise diese Qualitätsstandards einhält, in Hessen ist es so, dass wir nach dem hessischen Bildungs- und Erziehungsplan arbeiten, und wir werden dann auch begleitet und wir müssen das auch nachweisen, dass wir gemäß des Bildungs- und Erziehungsplans, also auch diese einzelnen Module belegen, sonst werden uns die Fördergelder gestrichen."
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