Erdogan-Statue in Wiesbaden: Kunstaktion sorgt für Aufregung

Am 28.08.2018 veröffentlicht

Und auf einmal stand er da, mit erhobenem Arm und ausgestrecktem Zeigefinger. Der türkische Staatspräsident Erdogan ziert derzeit als vergoldete, tonnenschwere Figur den Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden – eine umstrittene Kunstaktion, die für viel Trubel sorgt.

Seit dem spätem Montagabend steht Recep Tayyip Erdogan als Goldjunge im Wiesbadener Westend. Vier Meter hoch, zwei Tonnen schwer und nicht zu übersehen. Die Stahl-Statue wurde von Künstlern der Wiesbadener Biennale aufgestellt, bestätigte eine Sprecherin am Dienstag. Der Wiesbadener Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg verteidigte die Aktion. "Wir haben die Statue aufgestellt, um über Erdogan zu diskutieren", erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Das geht überall. Die Kunst ist dazu da, zu zeigen, wie es ist." Die Biennale ist eine alle zwei Jahre stattfindende Kunstaustellung. In diesem Jahr läuft sie unter dem Motto "Bad News" und dauert noch bis Samstag.

Stadt beruft sich auf Kunstfreiheit

Die Stadt Wiesbaden hat die Figur unwissentlich gebilligt. In einem offiziellen Statement heißt es: "Die Stadt hat im Rahmen der Kunstaktion das Aufstellen einer menschenähnlichen Statue und eines Containers genehmigt. Dass es sich dabei um eine Erdogan-Figur handeln würde, war nicht klar". Dennoch will die Stadt – trotz der Proteste und Reaktionen im Netz – nicht einschreiten, solange von der Kunstaktion keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht. Die Stadtregierung und der Magistrat bekennen sich zur im Grundgesetz verankerten Kunstfreiheit, so die Verantwortlichen am Dienstag. Dass die Beinnale provozieren würde und für Diskussionsstoff sorgen wird, sei bereits im Vorfeld klar gewesen.

Erdogan-Statue noch in der Nacht mit Hass-Parolen besprüht

Dass der goldene Erdogan nicht bei allen Wiesbadenern gut ankommt, zeigte sich noch in der Nacht. Unbekannte besprühten die Figur mit Hass-Parolen und malten ein Penis-Symbol auf den Kopf des Staatspräsidenten. Die Polizei wurde vor der Ausstellung nicht über die Gold-Statue informiert, so ein Sprecher. Die Beamten verständigten das städtische Ordnungsamt und positionierten sich mit Streifenwagen auf dem Platz. Derzeit beobachten Stadt- und Landespolizisten die Situation vor Ort. Zahlreiche Neugierige und Passanten nahmen am Vormittag das Kunstwerk in Augenschein.

Nutzer in den sozialen Medien sind schockiert

Besonders auf den sozialen Plattformen Twitter und Facebook sorgt die Erdogan-Statue für viel Zündstoff. User schreiben von einer Frechheit der Biennale, andere beleidigen den türkischen Staatspräsidenten oder beschimpfen die Kuratorin, sie habe einen "ausgesprochenen miserablen Geschmack". Trotz der teils heftigen Reaktionen wird die provokante, goldene Statue weiter auf dem Platz der Deutschen Einheit stehen bleiben.

Update: Am Dienstagabend, also etwas mehr als 24 Stunden nach der Installation, haben sich die Stadt Wiesbaden und die Polizei dazu entschieden, die Erdogan-Statur zu entfernen. Die Stadt kommentierte dazu auf Twitter: 

In Abstimmung mit der Landespolizei haben OB Sven und BM Oliver Franz entschieden, die Statue abbauen zu lassen, weil die Sicherheit nicht mehr weiter gewährleistet werden kann. Dieses Vorgehen deckt sich mit dem Ergebnis der Magistratsberatungen am Vormittag.

 

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