Autisten als Arbeitnehmer: IT-Firma Auticon erkennt das Potenzial autistischer Menschen

Am 13.08.2019 veröffentlicht

Autisten haben es in unserer Gesellschaft oft nicht leicht. Vor allem die Jobsuche stellt für viele eine unüberwindbare Hürde dar; obwohl viele Autisten durchaus qualifiziert sind, sind nur zehn Prozent berufstätig. Die IT-Firma Auticon will diesem Problem entgegenwirken, indem sie ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultans einstellt. Unser Reporter Rafael Fleischmann hat das Büro in Frankfurt besucht.

Martin Braun hat einen Bachelorabschluss in Wirtschaft und hat sich vor seiner Anstellung bei Auticon bei vielen Firmen beworben, allerdings ohne Erfolg. Aufgrund seiner Inselbegabung ist der 33-Jährige besonders geeignet für den Job des IT-Beraters. Ralph Metzroth, Geschäftsführer Auticon Frankfurt, ist überzeugt, dass Autisten perfekt für diesen Job sind: "Sie sehen Fehler, wo wir sie eben suchen müssen", erklärt er. "Auticon setzt Autisten als IT-Berater ein, nicht obwohl, sondern weil sie Autisten sind und nutzt die autistischen Stärken wie Genauigkeit und Zuverlässigkeit, um in IT-Projekten erfolgreich zu sein", erklärt Jobcoach Diana Schulz.

"Erschreckende Zahlen"

Dr. Christine Preißmann ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie. Mit 27 Jahren bekam sie die Diagnose Asperger-Syndrom. Die Tatsache, dass nur zehn Prozent aller Autisten berufstätig sind, findet sie erschreckend: "Das ist eine Verschwendung von möglicher Arbeitskraft, denn viele autistische Menschen sind durchaus qualifiziert und intelligent und wären durchaus in der Lage, einer Arbeit nachzugehen, wenn es die passenden Bedingungen gäbe", erklärt sie. Leider sind nur wenige Arbeitgeber so fortgeschritten wie Auticon; die meisten sind voreingenommen und geben Autisten daher gar nicht erst die Chance, ihre fachliche Kompetenz zu beweisen. 

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