Gespaltene Gemüter: Kommt die große Bankenhochzeit?

Am 18.03.2019 veröffentlicht

Die beiden größten Privatbanken in Deutschland sprechen über einen Zusammenschluss. Beide Geldhäuser betonen zwar, dass eine Fusion keineswegs geplant ist - aber allein die Möglichkeit spaltet die Gemüter.

Aus zwei angeschlagenen Banken soll ein starker Riese entstehen. Befürworter glauben, dass ein solcher Zusammenschluss, die Banken weltweit stärken könne. Kritiker befürchten hingegen einen dramatischen Jobabbau.

Nach drei Verlustjahren in Folgen hatte die Deutsche Bank 2018 gerade so die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Die Commerzbank stieg im Herbst in die zweite Börsenliga ab und ist ebenfalls seit Jahren im Umbruch. Die Gewerkschaft Verdi rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30.000 Jobs, die Aktionärsvereinigung DSW sogar mit 50.000 gestrichenen Stellen. Ende letzten Jahres beschäftigten beiden Geldhäuser zusammen etwa 133.000 Vollzeitkräfte.

Börse jubelt

Die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank beflügelten am Montag die Fantasie von Börsianern. Auch wenn ein Zusammenschluss in den Sternen steht, legten die Aktienkurse der Großbanken deutlich zu. Für die im Dax gelisteten Aktien der Deutschen Bank ging es bis zum Nachmittag um 4,2 Prozent nach oben. Die Papiere der Commerzbank gewannen im MDax 6,7 Prozent hinzu.

Gewerkschaft warnt

Die Gewerkschaft Verdi will aktiv gegen einen möglichen drastischen Arbeitsplatzabbau im Fall eines Zusammenschlusses der beiden führen deutschen Privatbanken eintreten. "Dass da einfach zugeguckt wird, davon kann niemand ernsthaft ausgehen", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. Es sei damit zu rechnen, dass bis zu 30 000 Arbeitsplätze dort 'im Feuer' stehen: "Wir werden das sehr kritisch begleiten, und das auch mit unseren Möglichkeiten in den Aufsichtsgremien in der Deutschen Bank und der Commerzbank."

"Wir brauchen weniger Zockerbuden", sagte die Finanzpolitische Sprecherin der Linken im Landtag Janine Wissler. Sie unterstütze Sparkassen und Genossenschaftsbanken: "Die vielen Beschäftigten in den Filialen und Zentralen beider Banken müssen schon wieder um ihre Jobs bangen." 

Klarheit erst im Mai

Spätestens vor den Hauptversammlungen der Banken am 22. und 23. Mai klar sein, ob die Verhandlungen weitergehen - oder das Thema 'Deutsche Commerz' zu den Akten gelegt wird.

Im Video von Reporter Benjamin Holler kritisiert Anlegerschützer Klaus Nieding aus Frankfurt die Fusion.

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