Dank Erste-Hilfe Kurs: Enkel rettet Opa das Leben

Am 03.09.2018 veröffentlicht

Nicht eine Sekunde hat Erkin gezögert: Als sein Opa über Brustschmerzen klagt und kurz darauf eine Herzinfarkt bekommt, weiß der 14-jährige sofort, was zu tun ist. Wie genau eine Reanimation funktioniert, hat Erkin in einem Erste-Hilfe-Kurs an seiner Schule in Frankfurt gelernt. 

Nicht nur Mathe und Deutsch, sondern auch ein Erste-Hilfe-Kurs gehören am Frankfurter Heinrich-von-Gagern-Gymnasium zu den Pflichtfächern. Wie wichtig solche Kurse sind, mussten jetzt der 14-jährige Erkin und sein Opa feststellen: Der 58-jährige Mann erleidet einen schweren Herzinfarkt, verliert das Bewusstsein. Sein Enkel beginnt sofort mit der Reanimation und erhält seinen Großvater am Leben, bis die Rettungssanitäter übernehmen. Zurzeit erholt sich der 58-Jährige im Krankenhaus.

Idee stammt von ehemaligem Rettungssanitäter

Die Idee, das Reanimationstraining in den Schulalltag zu integrieren, hatte Jan Czudai. Der Lehrer ist ehemaliger Rettungssanitäter und verankert das Thema "Reanimation" im Unterrichtsfach Biologie. "Seit zwei Jahren ist es für die Achtklässler Pflicht, im Rahmen der Unterrichtseinheit 'Herz-Kreislauf-System' Theorie und eben auch die Praxis in Form eines zweistündigen Reanimationstrainings zu lernen", erzählt uns Czudai im Interview und fügt an: "Im Rettungsdienst habe ich oft die Erfahrung gemacht, eine Person vorzufinden, die unbedingt reanimiert werden musste, aber kein Ersthelfer eingegriffen hat. Krankenwagen brauchen in Großstädten meist zu lange, und jede Minute zählt." Nur in der Schule sei es möglich, Grundlagen der Reanimation zu vermitteln und diese in den Köpfen der Kinder zu verankern.

Großer Unterschied zwischen Kurs und Realität

Das gelernte Wissen dann tatsächlich anwenden zu müssen, war für Erkin eine Ausnahmesituation. "Ich war voller Adrenalin. Ich wusste ja, dass ich ganz allein bin. Es ist ganz anders, als mit seinen Freunden im Kurs an einer Puppe zu üben", fasst der 14-Jährige zusammen. Erkins Mutter ist auf jeden Fall stolz und dankbar, dass ihr Sohn das Gelernte so schnell anwenden konnte und genau richtig reagiert: "Ich dachte erst, mein Vater sei verstorben. Erkin musste mich sogar beruhigen, obwohl er kurz vorher so viel mitgemacht hat. Viele aus meiner Familie haben mich gefragt, wo Erkin das gelernt hat. Und da ist mir sofort eingefallen, dass er in der Schule diesen Kurs gemacht hat."

Finanzierung nicht überall möglich

Dass die Reanimationskurse am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium  durchgeführt werden können, liegt an der finanziellen Unterstützung durch die Eltern. Das Land bezuschusst die Kurse nicht. Daher können es sich nicht alle hessischen Schulen leisten, ihren Schülern das Wissen zu vermitteln, das am Ende jemandem das Leben retten könnte.

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