Lübcke-Prozess: Welches Geständnis stimmt?

Am 07.09.2020 veröffentlicht

Drei Geständnisse hatte Stephan Ernst, Hauptangeklagter im Prozess um den Mordfall an Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke, abgelegt. Ernst war bei den unterschiedlichen Geständnissen von jeweils unterschiedlichen Anwälten beraten worden.

Stephan Ernst soll im Juni 2019 aus rechtsextremistischen Motiven Walter Lübcke erschossen haben. Um vor allem die Rolle des Mitangeklagten Markus H. bei dem Fall zu klären, sollen heute ein früherer Anwalt von Stephan Ernst und ein aktueller Pflichtverteidiger aussagen.

In einem ersten Geständnis nach seiner Verhaftung hatte Stephan Ernst die tödlichen Schüsse auf Lübcke zugegeben.
In einem zweiten bezeichnete er dann Markus H. als Schützen und gab an, dass sein erster Anwalt ihn dazu motiviert und finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt habe.

In einem dritten Geständnis vor Gericht räumte er die Tat ein, belastete aber auch H., der ihn begleitet habe. Zu dem falschen ersten Geständnis habe ihm sein zweiter Pflichtverteidiger Frank Hannig geraten, von dem er sich mittlerweile getrennt hat.
Ausschnitte von zwei widersprüchlichen Geständnissen des Hauptangeklagten waren im Juli von dem Reportage-Format "STRG_F" des Norddeutschen Rundfunks an die Öffentlichkeit geraten.

Verteidiger Kaplan bestätigt „konstruierte Lüge“

Ernsts aktueller Verteidiger Mustafa Kaplan, der von seinem Mandanten heute vor Gericht begrenzt von der Schweigepflicht entbunden wurde, bestätigte die Manipulation von Ernsts Aussage durch seinen Ex-Kollegen Frank Hannig. Es käme ihm seltsam vor, dass ein Anwalt (Hannig) eine Lüge konstruiert habe. Der Mitangeklagte Markus H. sei bei der Tat dabei gewesen, habe aber nicht geschossen.

Laut Kaplan kannte Hannig die „wahre Geschichte“ (laut Kaplan das dritte Geständnis), hat sie aber auf Version 2 modifiziert. Im weiteren Verlauf beruft sich Verteidiger Mustafa auf seine Schweigepflicht und äußert, dass er sich nicht an weitere Gespräche mit Hannig erinnern könne.

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