Vierter Lübcke-Prozesstag: Dritte Videovernehmung von Stephan Ernst

Am 02.07.2020 veröffentlicht

Vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt wurde heute im Prozess um den ermordeten Walter Lübcke eine dritte Videovernehmung der Staatsanwaltschaft und der Polizei von Stephan Ernst abgespielt. Zuvor hatte es bereits ein erstes Geständnis gegeben, das der mutmaßliche Täter aber widerrufen hatte.

In dem Video beschreibt Stephan Ernst, wie er gemeinsam mit Markus H. den Tatort ausgekundschaftet habe. Geplant sei gewesen, Lübcke mit der Waffe zu bedrohen und zu schlagen oder zu treten, sagte er. "Dass wir was machen, das stand spätestens nach Chemnitz fest", sagte Ernst in dem Video. Auch zuvor sei schon davon die Rede gewesen, dass Lübcke geschlagen werden sollte. "Das war eine Vorstellung, die wir beide hatten." Markus H. und er hätten aber nicht vor Augen gehabt, "wie das alles abläuft", sagte er zu seinen vagen Schilderungen.

Verteidiger von Markus H. beantragen Einstellung des Verfahrens

In dem Video stellten die Ermittler Fragen nach Entscheidungen und Plänen, zur Entsorgung der Tatwaffe und anderen Waffen, die Markus H. besessen haben soll. "Er hatte eine Menge (Waffen)", sagte Ernst, auch illegale Waffen. Darunter sei auch eine Maschinenpistole gewesen. H. habe die Waffen in Depots vergraben, zu deren Lage er aber keine Angaben machen könne. Das Verhältnis zu H. beschrieb Ernst in seiner Aussage als kollegial. Gespräche über politische Themen seien vor allem von H. ausgegangen. "Ich würde sagen, er war der Wortführer", sagte Ernst. Vor dem Zeigen des Videos hatte das Gericht unter anderem einen Verteidigerantrag zur Einstellung des Verfahrens und auf Aufhebung des Haftbefehls gegen Markus H. abgelehnt. Es gebe keine Umstände, die "zu einer anderen Bewertung der Rechtslage Anlass gebe"», hieß es.

Andreas Schopf und Alexander Polte waren für uns beim Prozess dabei und berichten in ihrem Video.

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