Prozess gegen Stephan Ernst: Walter Lübckes Witwe will "die volle Wahrheit"

Am 16.11.2020 veröffentlicht

Mit einem emotionalen Appell und unter Tränen hat die Witwe des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke den mutmaßlichen Täter aufgefordert, die noch verbleibenden Fragen der Hinterbliebenen zu beantworten. "Ich will die volle Wahrheit", betonte Irmgard Braun-Lübcke am Ende ihrer Zeugenaussage vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt. Dies könne der Familie vielleicht helfen, alles etwas besser zu verarbeiten. "Wir brauchen das, das ist ganz wichtig", sagte sie. 

Angeklagter Stephan Ernst zeigt erneut Reue

Der wegen des Mordes an dem CDU-Politiker angeklagte Stephan Ernst, der zunächst jeden Blickkontakt vermieden hatte, wischte sich wiederholt die Augen. "Es tut mir leid, es tut mir unendlich leid", sagte er mit brechender Stimme und sah der ehemaligen Lehrerin dabei ins Gesicht.

Lübckes Witwe kritisiert Schweigen von Mit-Angeklagten Markus H.

Der 47 Jahre alte Deutsche wird in dem Prozess beschuldigt, Lübcke aus rechtsextremistischen Motiven im Juni 2019 auf der Terrasse von dessen Wohnhaus erschossen zu haben. Außerdem ist sein ehemaliger Arbeitskollege Markus H. wegen Beihilfe angeklagt. Er soll Ernst politisch beeinflusst haben. Dass H., der im Oktober aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, sich in dem Verfahren "nicht mit einer Silbe äußert", sei sehr verletzend, sagte Braun-Lübcke.

Irmgard Braun Lübcke tritt in dem Verfahren gemeinsam mit ihren beiden Söhnen als Nebenklägerin auf und war als Zeugin geladen. Laut Aussage eines Ermittlers des Landeskriminalamts (LKA) soll die Ehefrau des Kasseler Regierungspräsidenten wohl im Vorfeld der Tat ebenso vom mutmaßlichen Täter beobachtet worden sein.

 

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