Gentrifizierung in Frankfurt: Mieter wehren sich

Am 25.07.2018 veröffentlicht

Die Mieter in der Wingertstraße 21 in Frankfurt leben unter menschenunwürdigen Zuständen. Neue Eigentümer möchten aus dem Mietshaus ein Luxushaus machen, das sie teurer vermieten können. Die Mieter, die teilweise seit knapp 60 Jahren in dem Haus im Frankfurter Osten wohnen, leben wie auf einer Baustelle. Jetzt probieren sie, sich mit der Hilfe von Andrea Nahles zu wehren.

Was ist passiert?

2013 verkauften die ursprünglichen Eigentümer ihr Haus in der Wingertstraße 21 an zwei Investoren. Damit fing der Ärger an, sagen die Mieter. Bauarbeiter rissen die Fenster in den Fluren heraus. Im Winter zog der Wind durch die offenen Fenster. Bauarbeiter rissen bei einer der beiden obersten Wohnungen das Dach weg. Es regnete herein. Die Bauaufsicht stoppte die Bauarbeiten, ließ sie wieder zu. Ein Hin und Her für die Mieter, denen die Investoren das Leben offenbar so unangenehm wie möglich machen und sie so zum Ausziehen bewegen wollten. Einige Mieter sind schon ausgezogen, einige sind geblieben und kämpfen. Es ist ein mehrjähriger Streit zwischen Mietern, die in ihren Wohnungen bleiben wollen, und Investoren, die mit einer Immobilie Geld verdienen wollen.

Das sollten Mieter wissen, wenn ein neuer Eigentümer ihr Haus übernimmt:

  • die neuen Eigentümer können frühestens nach drei Jahren ihre Wohnung wegen Eigenbedarf kündigen
  • die Person, für die der Eigenbedarf geltend gemacht wird sowie die Art des Verwandtschaftsverhältnisses muss angegeben sein
  • eine Eigenbedarfskündigung muss immer schriftlich erfolgen und sich an alle Mieter der Wohnung richten
  • die Kündigung muss auch von allen Vermietern unterschrieben worden sein
  • die Person, für die der Eigenbedarf bestimmt ist, sowie die Art des Verwandtschaftsverhältnisses muss angegeben sein
  • der Mieter muss auf das gesetzliche Widerspruchsrecht hingewiesen werden: Spätestens zwei Monate vor Beendigung des Mietverhältnisses muss der Mieter seinen Widerspruch schriftlich erklären
  • es gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen, d.h. je länger der Mietvertrag besteht, umso länger ist auch die Frist: mindestens drei Monate, ab fünf Jahren Mietverhältnis sechs Monate, bei mehr als acht Jahren gelten neun Monate

 

 

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