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Entkriminalisierung von Drogen?: Juristen und Wissenschaftler sammeln Vorschläge

Der sogenannte "Schildower Kreis" beschäftigt sich aktuell auf einer Tagung in Frankfurt mit der Entkriminalisierung von Drogen. Das Netzwerk aus Juristen, Medizinern und Sozialwissenschaftlern ist auf der Suche nach legalen Alternativen zur aktuellen Drogenpolitik. Die sei nämlich "gelinde gesagt kontraproduktiv", sagte Lorenz Böllinger, emeritierter Professor für Strafrecht und Kriminologie (Bremen). Das Betäubungsmittelgesetz habe seinen Zweck, Drogengebrauch einzudämmen, nicht erreicht. Kriminalisierung bringe mehr Schaden als Nutzen: die Kapazitäten von Polizei und Justiz würden gebunden, der Schwarzmarkt gedeihe.

Laut Suchtmediziner Rainer Ullmann sei die Gesundheit der Drogenkonsumenten durch die Illegalität sehr viel gefährdeter als durch eine kontrollierte Abgabe. Vermeidbar wären zum Beispiel Infektionen durch verunreinigte Spritzen oder dadurch, dass Drogen gestreckt oder verunreinigt sind oder ihre Stärke nicht bekannt ist. Der Schildower Kreis schlägt vor, das Risikopotenzial von Substanzen - körperlich, seelisch und nach Abhängigkeitsgefahr - einzuschätzen und sie nach dieser Klassifikation "kontrolliert verfügbar zu machen".

Hintergrund: 

Das 2007 gegründete Schildower Netzwerk setzt sich für eine Abschaffung der Kriminalisierung ein. Aktuell ist in Deutschland der Anbau, Erwerb, Handel, die Verabreicheung, die Herstellung und der Besitz der Substanzen, die dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterstellt sind, strafbar. Dazu zählen unter anderem alle Formen des THC-haltigen Cannabis, Kokain, LSD, Heroin, Ecstasy, etc.

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