Angeklagter Stefan Ernst (l.) und sein Verteidiger Frank Hannig (r.). (Foto: imago images/Patrick Scheibe)r)

Lübcke-Prozess: Stephan Ernst will sich von Verteidiger Hannig trennen

Der Prozess um den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke geht weiter: Heute kam es am Frankfurter Oberlandesgericht zu einem Eklat. Der Angeklagte Stephan Ernst möchte sich von seinem Pflichtverteidiger Frank Hannig trennen, weil dieser Anträge hervorbrachte, die ein schlechtes Licht auf den getöteten Walter Lübcke werfen sollten.

Ernsts anderer Anwalt Mustafa Kaplan argumentierte, dass das Vertrauen zu Hannig zerstört sei. Es gebe keine Absprachen zwischen den Verteidigern. Hannigs Strategien seien – sofern er welche habe – nicht ersichtlich. Kaplan sehe auch keine Besserung in der Zusammenarbeit für die Zukunft. Hannig hatte nach der Unterbrechung seine Anträge zurückgezogen. Er wolle Verteidiger bleiben. Es gebe keine Gründe für eine Entpflichtung.

Anträge werfen schlechtes Licht auf Lübcke

Verteidiger Hannig hatte verschiedene Anträge gestellt, in denen es unter anderem um einen Einbruch ins Kasseler Regierungspräsidium ging, in dem es angeblich um Unterlagen zu Geschäften der Söhne von Lübcke ging. Hannig spielte mit seinen Anträgen – die er ohne Rücksprache mit Ernst hervorbrachte – auf unsaubere Geschäfte von Lübcke hin.

Der vositzende Richter Thomas Sagebiel geriet daraufhin in Rage. "Ich bin sprachlos", sagte er. "Das ist gequirlter Unsinn", es gebe keinen vernünftigen Bezug zum Fall. Bei solchen Anträgen müsse sich selbst er als Richter Gedanken darüber machen, ob der Angeklagte eine wirksame Verteidigung hat. Sagebiel will über die Entpflichtung Hannigs am Nachmittag entscheiden.

Hintergrund:

In dem Prozess wirft die Anklage Ernst vor, aus rechtsextremistischen Motiven heraus die Tat begangen zu haben. Lübcke war seit dem Jahr 2015 wegen seines Einsatzes für Flüchtlinge wiederholt bedroht worden. Dem ebenfalls angeklagten Markus H. wirft der Generalbundesanwalt Beihilfe zum Mord vor.

Themen
Kommentare