Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen: Lübcke-Prozess beginnt in Frankfurt

Am 15.06.2020 veröffentlicht

Morgen beginnt der Prozess gegen Stephan Ernst, dem mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke, vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt. Dieser Prozess wird mit großer Spannung erwartet, denn die kaltblütige Tat vor einem Jahr hat das ganze Land erschüttert. Wird der Angeklagte sprechen? Wie hat sich die Staatsanwaltschaft sich vorbereitet? Benjamin Holler beantwortet alle Fragen in diesem Vorbericht.

Zum Hintergrund:

02. Juni 2019: Ermittler bestätigen: Regierungspräsident Lübcke wurde erschossen

18. Juni 2019: Zeugenaussage weckt Verdacht: Sind an Lübckes Tod mehrere Täter beteiligt?

26. Juli 2019: Neue Ermittlungen gegen Stephan E.: Lübcke-Tatverdächtiger soll irakischen Flüchtling angegriffen haben

08. Januar 2020: Stephan Ernst ändert Aussage: Komplize soll Lübcke versehentlich erschossen haben

20. Januar 2020: Stephan Ernst und die AfD: Mutmaßlicher Lübcke-Mörder soll beim Wahlkampf geholfen haben

29. April 2020: Nach Mord an Walter Lübcke: Generalbundesanwalt klagt Stephan E. und Markus H. an

Lübcke-Prozess unter Corona-Einfluss

Der Mord an einem Politiker würde auch schon in normalen Zeiten einen Gerichtsprozess unter ganz besonderen Umständen bedeuten. Zumal der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke mutmaßlich aus einem rechtsextremistischen Motiv erschossen wurde. Doch die Corona-Pandemie verleiht dem Fall nun noch einmal eine weitere besondere Note. Keine Frage, der am 16. Juni 2020 beginnende Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des CDU-Politikers Lübcke, Stephan E., und seinen mutmaßlichen Helfer Markus H. stellt die Justiz in Frankfurt vor ganz besondere Herausforderungen.

Denn dem erwarteten großen öffentliche Interesse an dem Fall kann das Oberlandesgericht nur sehr bedingt nachkommen. Weil wegen des Coronavirus nach wie vor Abstandsregelungen gelten, kann nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Zuschauern und Medienvertretern in den Verhandlungssaal gelassen werden, in dem in Frankfurt die großen Staatsschutzverfahren stattfinden.

Mehr als 200 Journalisten von rund 70 verschiedenen Medien haben sich akkreditiert, um das Geschehen verfolgen zu können. Doch nur 19 von ihnen können tatsächlich in den Gerichtssaal. Für 61 weitere Journalisten sind Plätze in einem Raum zumindest mit Tonübertragung eingerichtet - eine Videoübertragung ist rechtlich nicht möglich. Eingelassen werden Medienvertreter wie Zuschauer in den Gerichtssaal in der Reihenfolge ihres Erscheinens - nur wer früh kommt, hat einen Platz sicher.

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