Umstrittener Polizeieinsatz: Wir sprechen mit zwei Zeugen

Am 01.08.2019 veröffentlicht

Vergangenes Wochenende machte ein Handyvideo eines rabiaten Polizeieinsatzes auf der Frankfurter Zeil die Runde. Auf dem Video erkennt man, wie Polizisten jungen Menschen Kniestöße verpassen und eine Frau an ihren Haaren zu Boden reißen. Jetzt haben wir mit Can Cengiz und Mohamed Agha gesprochen; sie waren vor Ort und sagen, dass sie zu Unrecht Opfer der Polizeigewalt geworden sind. 

Can und Mohamed waren am Abend des Polizeieinsatzes auf der Zeil feiern. Als sie den Club am Samstagmorgen verlaßen, sahen sie eine Auseinandersetzung und wollten den Streit schlichten. Kurz darauf wurde die Polizei zur Schlägerei gerufen. Ein Handyvideo zeigt, wie Can Cengiz von einem Polizisten heruntergedrückt und mit Kniestößen malträtiert wird. Sowohl Can als auch Mohamed bekamen Pfefferspray ab.

Noch vor Ankunft der Polizei seien die eigentlichen Aggressoren und Verursacher des Streits abgehauen, weshalb sich Mohamed und Can der geballten Polizeigewalt stellen mussten. Sie wollten helfen und sind letzten Endes selbst zu Opfern geworden – so sehen die beiden die Situation. Mithilfe ihrer Anwälte wollen sie das Verhalten der Polizei nun prüfen und gegebenenfalls Anzeige erheben.

"Eine schwierige Einsatzsituation"

Laut Walter Seubert, dem Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei, habe vor Ort eine "schwierige Einsatzsituation" vorgelegen. Im Interview mit uns sprach er von einer größeren Menschenmenge, die "entsprechend gewalttätig ist" und "aggressiv auftritt". Bei der Bewertung der Handyaufnahmen müsse das berücksichtigt werden.

In einem Pressebericht spricht die Polizei ebenfalls von "äußerst aggressiven" Personen vor Ort. Daher hätten die Polizeibeamten ihr Pfefferspray einsetzen müssen. Aufforderungen der Polizei, sich auf den Boden zu legen, sei keine Folge geleistet worden. Auch von außerhalb habe es immer wieder Solidarisierungsaktionen, Beleidigungen und Bedrohungen unbeteiligter Personen gegeben. Nichtsdestotrotz werde laut Seubert innerhalb der Polizei alles getan, um den Vorfall entsprechend nachzubereiten und das Verhalten der Beamten gewissenhaft zu prüfen.

Unsere Reporterin Annabelle Strecker und unser Reporter Pascal Wede haben mit den zwei Männern gesprochen. Das Interview sehen Sie im Videobeitrag.

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