Dem Horror entfliehen: Plätze knapp in Frauenhäusern

Am 25.11.2019 veröffentlicht

Eine Frau sucht Hilfe vor ihrem gewalttätigen Partner - aber das Frauenhaus ist voll belegt. In Hessen ist das leider eine alltägliche Situation. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen hat Reporterin Mareike Luft ein Frauenhaus besucht.

Bereits seit Eröffnung der ersten Unterkünfte in den 1980er-Jahren seien die Einrichtungen so ausgelastet, dass viele Frauen und ihre Kinder abgewiesen werden müssen, sagt Monika Remé, Referentin für Frauen und Mädchen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Wiesbaden. Inzwischen könnten Frauen aber auch wenn sie stabil genug sind oft nicht aus dem Frauenhaus ausziehen, weil in vielen Städten bezahlbare Wohnungen fehlen. Daher blieben Plätze in den Einrichtungen länger besetzt als nötig.

Frauenhäuser in Hessen - Zahlen und Daten der letzten Jahre

"Frauenhäuser in ganz Hessen müssen täglich Frauen in Not und ihre Kinder abweisen", beklagt Remé. Das Haus in Darmstadt beispielsweise konnte im vergangenen Jahr 64 Frauen mit 49 Kindern aufnehmen - musste jedoch 129 Frauen mit 127 Kindern eine Absage geben. Im Frauenhaus Bergstraße fanden 17 Frauen und 13 Kinder 2018 Unterschlupf, während 107 Frauen mit 121 Kindern abgewiesen werden mussten, erläutert die Referentin. Sowohl die Städte, als auch der ländliche Raum seien vollkommen überlastet.

Die Unterschiede in den Landkreisen sind groß: Während im Landkreis Kassel 2018 rechnerisch ein Platz pro 16.902 Einwohner zur Verfügung stand, war es in der Stadt Offenbach ein Platz pro 4.023 Einwohner. Insgesamt stellt das Land nach Angaben des Ministeriums für die Frauenhäuser jährlich 3,14 Millionen Euro bereit. 2018 seien rund 155.000 Euro und in diesem Jahr 310 000 Euro hinzugekommen. Diese Erhöhung solle kontinuierlich in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

Kostenfreies Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": 08000 116 016

Eine Karte mit allen Frauenhäusern in Hessen gibt es hier.

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