Gedenken an NSU-Mord: Kritik an Stadt vor Trauerfeier für Halit Yozgat

Am 05.04.2018 veröffentlicht

Vor zwölf Jahren wurde Halit Yozgat in seinem Internetcafé in Kassel erschossen. Am Freitagnachmittag haben hunderte Freunde und Angehörige der Familie am Halitplatz an die schreckliche Tat gedacht. Die Stadt hat ihre offizielle Teilnahme an der Feier abgesagt - aus Sicherheitsgründen.

Für die Eltern des ermordeten Halit Yozgat ist es Jahr für Jahr ein schwerer Gang, wenn sie auf dem Halitplatz an ihren Sohn erinnern. Die Teilnahme hunderter Menschen aber gebe auch Rückendeckung. Umso unverständlicher sei es, dass sich die Stadt aus der Organisation der Gedenkveranstaltung zurückgezogen hat, kritisiert die Initiative, die nun alleine die Kundgebung durchführt. Die Stadt sah den würdigen Charakter der Veranstaltung durch Sicherheitsbedenken gefährdet. Die Initiative aber habe keinen Anlass gesehen, die Trauerfeier könne für türkische oder kurdische Propaganda missbraucht werden.

"Wir halten es für wichtig, dass wir heute zusammenstehen, und sagen wir wollen kein nächstes Opfer", sagt Ayse Gülec, Sprecherin der 'Initiative 6. April'.

Geselle gedenkt NSU-Opfer

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) mahnt, Extremisten keinen Raum zu geben. Auch ohne offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt "werden wir innehalten". Der Tod von Halit Yozgat bleibe für die Stadt eine stetige Mahnung, für die Werte des Rechtsstaates mit aller Entschlossenheit einzutreten, sagt Geselle. "Auch aus Respekt vor der Familie Yozgat lassen wir nicht zu, dass durch politische Instrumentalisierung - egal von welcher Seite - das Ansehen unseres Kasseler Mitbürgers Halit Yozgat beschädigt wird."

Der türkischstämmige Halit Yozgat war am 6. April 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße in Kassel erschossen worden - mutmaßlich von der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund". Ein Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag möchte zudem herausfinden, welche Rolle ein ehemaliger Verfassungsschutz-Mitarbeiter hat, der rund um den Tatzeitpunkt im Internetcafé gechattet hat.

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