Prozessauftakt in Gießen: Mutmaßlicher Entführer von Milliardärs-Sohn vor Gericht

Am 11.09.2018 veröffentlicht

Der Fall des entführten behinderten Milliardärssohn Markus Würth liegt bereits drei Jahre zurück. Doch bis heute bleibt die Entführung rätselhaft. Am Gießener Landgericht hat nun der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Eine Frage bleibt offen: Hat Nedzad A. im Alleingang gehandelt?

In Handschellen wird Nezad A. in den Gerichtssaal des Landgerichts Gießen geführt. Der 48-jährige Familienvater muss sich nun wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten, nachdem ihn im März die Ermittler festnehmen konnten. Ausschlaggebend für die Festnahme vor sechs Monaten war vor allem ein Stimmgutachten von Marburger Wissenschaftlern, die eine erstaunlich präzise Beschreibung lieferte und dazu führte, dass sich eine Dame meldete, die sagte: "Ich meine diese Stimme zu kennen, es handelt sich um einen mir bekannten Handwerker."

Die Wissenschaftler analysierten einen Telefon-Mitschnitt des Entführers. So konnten sie das Täterprofil enorm eingrenzen. Die Ermittler suchten fortan einen Mann, der zur Tatzeit 40 bis 52 Jahre alt war, aus dem früheren Jugoslawien stammt und vor 2001 ins Rhein-Main-Gebiet gekommen ist, wo er mehrere Jahre gelebt haben muss. Die Beamten gehen davon aus, dass die Stimme dem 48-Jährigen Nedzad A. gehört, der 1994 aus Serbien nach Deutschland kam.

Entführt aus einer Wohneinrichtung im Vogelsbergkreis

Am 17. Juni 2015 wird der geistig behinderte Markus Würth, Sohn des Unternehmers und Milliardärs Reinhold Würth aus einer Wohneinrichtung in Schlitz im Vogelsbergkreis entführt. Telefonisch wendet sich der Angeklagte an die Eltern des Entführten, so der Vorwurf. Das Motiv: Geldnot – die Forderung: Drei Millionen Euro Lösegeld.

Zur Geldübergabe kommt es nie, der Angeklagte teilt der Familie aber das Versteck des damals 50-jährigen Sohnes in der Nähe von Würzburg mit. Dort finden Polizisten das Opfer am nächsten Morgen an einen Baum gekettet aber unverletzt. Markus Würth selbst kann aufgrund seiner Behinderung nicht aussagen.

In der Anklage heißt es, dass die Entführung "gemeinschaftlich mit unbekannten Dritten" begangen wurden. Bisher kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden, dass Nedzad A. allein agiert hat. Die Hintergründe sollen an zwölf Prozesstagen näher beleuchtet werden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Der Prozess soll am 2. Oktober fortgesetzt werden.

 

 

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