Urteil: 800.000 Euro Entschädigung: Pflegefall nach Routine-OP

Am 07.11.2019 veröffentlicht

Vertauschte Beatmungsschläuche haben einen 17 Jahre jungen Jugendfußballer zum Pflegefall gemacht. Die Panne passiert während einer Routine-Operation am Gießener Uniklinikum. Nun urteilte das Landgericht über das Schmerzensgeld.

800.000 Euro Schmerzensgeld bekommt der heute 23-jährige. 2013 wurde er wegen eines Nasenbeinbruchs operiert worden, den er sich bei einem Fußballspiel zugezogen hatte. Dem Krankenhaus-Personal unterlief dem Gericht zufolge bei der Bedienung des Sauerstoffgerätes der fataler Fehler, wodurch der Kläger eine schwere Hirnschädigung erlitt. "Während der Vollnarkose kam es zu einer etwa 25-minütigen Sauerstoffunterversorgung, weil die Schläuche des verwendeten Beatmungsgeräts fehlerhaft angeschlossen worden waren", teilte das Gericht mit.

"Risiko war voll beherrschbar"

Die Summe gehöre zu den höchsten, die Richter in ähnlichen Fällen für angemessen hielten, heißt es. Als Begründung führte das Gericht die schlimmen Folgen für den Mann an, "der zu einem selbstbestimmten Leben nicht mehr in der Lage" sei. Zudem verwies es auf dessen jugendliches Alter und darauf, dass die Hirnschädigung "aus einer fehlerhaften Bedienung des Beatmungsgeräts und damit aus dem Bereich eines voll beherrschbaren Risikos resultieren".

Mutter erhewbt schwere Vorwürfe gegen Klinik

"Man hat uns damals zur Operation überredet", sagte die Mutter des jungen Mannes der Gießener Allgemeinen. Der Zeitung gegenüber schilderte sie den Tag der Operation und die Hilfslosigkeit nach dem OP-Fehler. Einem monatelangem Aufenthalt auf der Gießener Intensivstation folgten mehrere Reha-Maßnahmen in unterschiedlichen Bundesländern. Der Anwalt der Familie Burkhard Kirchhoff äußerte sich in der GAZ zufriden über das Urteil: "Es war höchste Zeit und ist ein deutliches Signal an die Versicherer, dass die Summen nach solchen Behandlungsfehlern nach oben angepasst werden."

 
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