Angst vor dem Vater des Attentäters: Kundgebung in Hanau-Kesselstadt

Am 29.12.2020 veröffentlicht

Am Dienstag sind rund vierzig Menschen zu einer Mahnwache vor das Haus des Vaters des Attentäters im Hanauer Stadtteil Kesselstadt zusammengekommen.

Über den älteren Mann war Mitte Dezember bekannt geworden, dass er sich in mehreren Strafanzeigen und Aussagen massiv rassistisch und verschwörungsgläubig geäußert haben soll. So forderte er unter anderem die Entfernung von Gedenktafeln und des Graffitis in Frankfurt.

"Wir haben Angst", sagte Cetin Gültekin, dessen Bruder Gökhan beim Anschlag ums Leben kam. Der Vater von Tobias R. besitze noch Autos, die er als Waffe einsetzen könne. Auch Newroz Duman von der Initiative "19. Febriar" fordert daher die Behörden auf, den Mann zu prüfen und im Zweifel gegen ihn zu ermitteln.

Oberbürgermeister Kaminsky zeigt sich befremdet von der Justiz

"Seine Forderungen auf die Herausgabe der Tatwaffen und auf die Freigabe der seinerzeit gesperrten Internetseite des Sohnes in Verbindung mit dem rechten Gedankengut, müssen bei den zuständigen Behörden eigentlich alle Alarmglocken angehen lassen", teilt der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in einer Presseerklärung mit. Er zeigt sich befremdet, dass die Justiz bisher keine Reaktion auf die Recherchen des SPIEGEL gezeigt hat. "Dass man das so unkommentiert im Raum stehen lässt, ist für mich nur schwer zu ertragen."

Gedenk-Graffiti in Frankfurt beschmiert

Gegen das Vergessen hat ein Frankfurter Künstlerkollektiv am 19. Juni 2020 ein 27 Meter langes Graffiti unter der Frankfurter Friedensbrücke enthüllt. Es zeigt die Gesichter der neun Opfer, sowie den Schriftzug "Rassismus tötet" und "Niemals vergessen - Hanau 19.02.2020". Nun wurde das Graffiti beschädigt.

Am Montag bestätigte die Polizei, dass Unbekannte das Graffiti zum Teil übersprüht haben. Aus dem Schriftzug "Rassismus tötet" wurde "Kiffen tötet Gehirn". Wer für diese Zerstörung verantwortlich ist, ist noch nicht bekannt, auch Tatzeit und Motiv sind unklar. Die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung laufen gegen unbekannt, ein extremistischer Hintergrund ist bislang nicht belegt. Am Dienstagnachmittag haben Sprayer des Künstler-Kollektivs "Ohne Namen" das Graffiti wieder berichtigt.

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