Vierjährigen qualvoll getötet: Mutmaßliche Sekten-Chefin vor Gericht

Am 22.10.2019 veröffentlicht

Mehr als 30 Jahre nach dem qualvollen Tod eines kleinen Jungen in einer Hanauer Sekte kommt der rätselhafte Fall vor Gericht. Heute beginnt am Landgericht Hanau der Mordprozess gegen eine nun 72-jährige Deutsche, die als Anführerin der Gruppe gilt.

RTL Hessen-Reporter Rafael Fleischmann berichtet aktuell vom Prozess. Seine ersten Eindrücke:

Angeklagte scheint unbeeindruckt

"Die Angeklagte betritt sehr gefasst den Gerichtssaal. Sie ist geschminkt mit roten Lippen und Rouge. Sie macht einen steifen, wächsernen Eindruck. Das Gesicht hat etwas Maskenhaftes. Unterhält sich mit ihren Anwälten und lacht kurz dabei.

Reglos nimmt die Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft entgegen. Laut Staatsanwaltschaft soll sie zum Opfer gesagt haben: „Du kannst mit dem Schaubrüllen aufhören. Es ist keiner mehr da und ich gehe jetzt in den Garten.“ Im weiteren Verlauf sitzt sie stoisch da."

Die Angeklagte soll den Vierjährigen, der in ihrer Obhut gestanden haben soll, am 17. August 1988 in einen Leinensack eingeschnürt, im Badezimmer abgelegt und ihn trotz panischer Schreie seinem Schicksal überlassen haben.

"Von den Dunklen besessen"

Die Angeklagte soll den Jungen laut Anklage als "von den Dunklen besessen" angesehen haben. Deshalb habe sie beschlossen, ihn zu töten. Der Junge sei nach einem "erbitterten Todeskampf" gestorben. Vermutlich ist er erstickt.

Die Staatsanwaltschaft sieht das Mordmerkmal der Grausamkeit erfüllt. Zudem habe die Frau aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Neu aufgerollt wurde der Fall im Frühjahr 2015 durch neue Aussagen von ehemaligen Mitgliedern der Sekte. Der Rechtsanwalt der Angeklagten hatte den Mordvorwurf stets bestritten.

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