Hessen ausgebremst: Coronavirus beeinflusst verstärkt das öffentliche Leben

An Hessens Schulen fällt ab dem heutige Montag der Unterricht aus. Auch Kindertagesstätten bleiben geschlossen. Um eine Verbreitung von Sars-Cov-2-Infektionen zu verlangsamen, hat die Landesregierung drastische Maßnahmen beschlossen

Kliniken erteilen Besuchsverbot, die traditionelle Frankfurter Dippemess wird abgesagt, der Frankfurter Flughafen ist so leer wie noch nie - momentan verändert das Coronavirus unsere Alltag im Stundentakt.

Mittlerweile mehr als 300 bestätigte Corona Fälle in Hessen

Mittlerweile gibt es 342 Corona-Fälle in Hessen (Stand: 16.03., 14 Uhr). Das hat das Wiesbadener Sozialministerium mitgeteilt. Am Vortag waren es noch 282 Fälle. Die meisten Infektionen gibt es aktuell im Raum Fulda mit 38 Fällen. Danach kommt der Kreis Marburg-Biedenkopf mit 26 Fällen und der Schwalm-Eder-Kreis mit 24 Fällen.

Schulen stehen vor neuen Herausforderungen

Hessens Schulen sind dicht - deshalb braucht es neue Wege, um die Bildung auch in den kommenden Wochen sicherzustellen. Denkbar sind Arbeiten auf Online-Plattformen oder auch Arbeitsblätter per Mail. "Wir wissen nicht, ob das funktioniert", sagt Maike Wiedwald, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, "aber wir müssen es versuchen."

Darüber hinaus sieht Wiedwald in der aktuellen Corona-Krise auch eine Chance, selbstverantwortliches Lernen zu üben. Damit das funktioniert müssten ihrer Meinung nach aber "auch Eltern in dieser Ausnahmesituation dazu beitragen, dass das Lernen zu Hause gelingt."

Laut Ministeriumssprecher Stefan Löwer seien die hessischen Schulen aber überwiegend problemlos in den Coronakrisen-Betrieb gewechselt. Demnach habe sich die Zahl der Kinder, die in Notbetreuung gebracht wurden, in Grenzen gehalten. Die Schulämter hätten von einem bis acht Kinder pro Schule berichtet.

Landesregierung informiert Bevölkerung über App

Innenminister Peter Beuth ruft Hessens Bürger auf, sich die App "hessenWARN" auf das Smartphone zu installieren. Hier bekommt jeder umfassende Informationen über konkrete Verhaltensweisen und Sofortmaßnahmen im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus. HessenWARN gibt als Ergänzung der App "KatWarn" seit November 2019 einen Überblick z.B. über Großbrände, Erdbeben oder sonstige weitreichende Ereignisse im Bundesland. Die kostenlos erhältliche Applikation ist in den App-Stores für iPhones und Android Phones verfügbar.
Nach wie vor können sich die Bürgerinnen und Bürger vollumfänglich über die Maßnahmen der Hessischen Landesregierung unter www.hessen.de informieren. 

Rhein-Main-Verkehrsverbund mit Sonderfahrplänen

Die Corona-Krise hat außerdem Auswirkungen auf die Fahrpläne von Bus, Tram, S-Bahn und U-Bahn im Rhein-Main-Gebiet. Der RMV veröffentlicht geänderte Abfahrtszeiten auf seiner Internetseite. Das Unternehmen weist darauf hin, dass kurzfristige Änderungen in der RMV-App nicht berücksichtigt sind. 

Grund für die Änderungen ist, dass dem RMV weniger Busfahrer und Busfahrerinnen und Lokführer und Lokführerinnen zur Verfügung stehen. Das liegt vor allem daran, dass die Schulen und Kitas ab heute in ganz Hessen schlossen sind. 

Notfall-Kinderbetreuung in kleinen Gruppen

Für bestimmte Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1 bis 6 und bestimmte Kindergartenkinder wird aber eine Notfallbetreuung in kleinen Gruppen gewährleistet. Dies gilt besonders für Eltern, die Mitarbeiter der Polizei, Feuerwehr, von Ordnungsbehörden, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der Krankenhäuser sind. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen lag am Sonntag bei fast 300.

Der in Frankfurt ansässige, bundesweit tätige Notmütterdienst Familien- und Seniorenhilfe erlebt eigenen Angaben zufolge eine nie da gewesene Nachfrage nach Betreuerinnen und Betreuern. Eltern seien verunsichert und wüssten nicht, wie sie eine Betreuung für ihre Kinder organisieren können.

Coronavirus legt auch kulturelles Leben in Hessen lahm

Doch nicht nur die Schulen und Kitas sind vom Maßnahmenkatalog der Landesregierung betroffen. So werden die hessischen Finanzämter für Besucher geschlossen. Das kulturelle Leben im Land wird durch Schließungen von Theatern und Museen ausgebremst. Die Landeshauptstadt Wiesbaden schloss die Hallenbäder. In Frankfurt zum Beispiel bleiben der Zoo, der Palmengarten, die Bühnen und die Museen zu.

Auch die Landesregierung selbst sagte alle öffentlichen Termine ab. Auch die Mitglieder des Kabinetts wollen ihre persönlichen Kontakte deutlich reduzieren und keine öffentlichen Termine mehr wahrnehmen, um so das Infektionsrisiko und die Gefahr der Übertragung des Virus zu minimieren. Feiern und Versammlungen mit mehr als 100 Teilnehmern sind nach einer Anordnung der Hessischen Landesregierung nach einer Sonder-Kabinettssitzung zur Bekämpfung der Coronaviruskrise verboten.

Besuchsverbot an Kliniken

Auch Kliniken greifen zu strikten Maßnahmen. So gilt zum Beispiel zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern im Klinikum Fulda ein generelles Besuchsverbot. Soweit medizinische, soziale oder palliativmedizinische Gründe eine Ausnahme notwendig machen, können Besucher nach telefonischer Absprache im Einzelfall zugelassen werden, hieß es. Auch andere Krankenhäuser schränkten das Besuchsrecht ein.

Lufthansa holt Urlauber zurück

Mit 15 Sonderflügen will die Lufthansa bis Mittwoch (18.03.2020) etwa 3000 bis 4000 Urlauber aus der Karibik und von den Kanaren zurück nach Deutschland bringen. Das teilte ein Lufthansa-Sprecher mit. Es handele sich um Menschen, die wegen der Reisebeschränkungen als Folge der Coronavirus-Krise sonst nicht hätten zurückkehren können - Feriengäste von den Inseln und Kreuzfahrtpassagiere. Zielflughäfen ist neben München, Hamburg und Berlin auch der Flughafen Frankfurt.

Quelle: dpa

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