Nach der Hessenwahl: Die Gewinner und Verlierer

Am 29.10.2018 veröffentlicht

Viele Gewinner – zwei große Verlierer: so lässt sich das Ergebnis der hessischen Landtagswahl 2018 kurz und bündig zusammenfassen. Im Vergleich zur letzten Wahl 2013 verlor die CDU 11,3 Prozentpunkte und kam so auf 27 Prozent. Die SPD erzielte mit 19,8 Prozent ein Minus von 10,9 Punkten. Grüne, Linke, FDP und AfD legten zu. Die größten Gewinner sind die Grünen mit ebenfalls 19,8 Prozent und die AfD, die mit 13,1 Prozent nun erstmals in den hessischen Landtag zieht. Welche Auswirkungen hat nun dieses vorläufige Endergebnis?

Die seit 2013 regierende schwarz-grüne Koalition erreicht demnach eine hauchdünne Mehrheit. Sie käme genau auf die erforderlichen 69 Mandate. Über 137 Sitze wird der 20. hessische Landtag verfügen. Gefestigter wäre eine Jamaika-Koalition gemeinsam mit der FPD. Stefan Ruppert, der Landesvorsitzende der FDP Hessen, signalisierte bereits Offenheit. Sofern die CDU nicht auf ihn und seine Partei zugehen werde, würde er die Initiative ergreifen. FDP-Spitzenkandidat René Rock hingegen sprach sich am Montagmorgen gegen eine solche Koalition aus. Dem Radiosender Hitradio FFH sagte er, dass es keinen Sinn mache als "Ersatzrad" in dieses Bündnis zu gehen.

Welche Koalitionen sind noch möglich?

Infolge des vorläufigen Endergebnisses wäre theoretisch auch eine Große Koalition aus CDU und SPD möglich. Sie käme – wie schwarz-grün – ebenfalls auf 69 Sitze. Auch eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP würde die geforderten 69 Sitze erreichen. Ein Zusammenschluss aus SPD, Grünen und Linken käme lediglich auf 67 Sitze, das sind zu wenige Sitze für eine Mehrheit.

Der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir möchte nun die Entscheidung für eine Koalition vor allem an politischen Inhalten ausrichten. In der Politik solle am Ende die Sache entscheidend sein. Das sagte er am Montagmorgen dem Radiosender hr-info. Das starke Abschneiden der AfD sieht er als Problem. Die Partei werde das Klima im Landtag negativ beeinflussen.

Auswirkungen auf Berlin

Angela Merkel und Andrea Nahles, die Parteivorsitzenden von CDU und SPD, geraten nun verstärkt unter Druck. Am kommenden Wochenende werden sich die Spitzen beider Parteien treffen und Schlüsse aus den Ergebnissen der Landtagswahlen in Bayern und Hessen ziehen. Auf Vorschlag von Nahles will sich die SPD bereits heute Gedanken über einen Kriterienkatalog für eine bessere Arbeitsweise der GroKo  machen.

In den kommenden Monaten werden die Parteien Koalitionsgespräche führen. Das kann sich unter Umständen etwas hinziehen - die Wahlperiode des bisherigen Landtags endet nämlich erst am 17. Januar 2019.

Im Video fasst Politik-Reporter Benjamin Holler die Emotionen einer langen Wahlnacht zusammen.

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