Feuersturm zerstörte Kassel: 75. Jahrestag der Bombennacht

Am 22.10.2018 veröffentlicht

Zum 75. Mal jährt sich heute die Kasseler Bombennacht vom 22. Oktober 1943. Mehr als 420.000 Brandbomben entfachten einen gewaltigen Feuersturm und töteten 10.000 Menschen, unzählige weitere wurden verletzt.  Selbst aus über 50 Kilometern Entfernung war der nächtliche Feuerschein noch zu sehen, die Überreste der zerstörten Gebäude brannten tagelang. In einer offiziellen Gedenkveranstaltung besinnt sich Kassel heute auf die vielen Opfer zurück.

Um 20:17 Uhr  warnten die Sirenen die damals rund 225.000 Einwohner Kassels. Eine knappe halbe Stunde später begann das Bombardement durch die Alliierten. Wegen seiner hohen Bedeutung als Rüstungsstandort war Kassel besonders im Visier. Die Firma "Henschel & Sohn" produzierte Lokomotiven, Panzer und Lastwagen. Auch der Flugzeugbau spielte in der Fachwerkstadt eine wichtige Rolle. Insgesamt 40 Bombenangriffe musste Kassel aufgrund seiner Schlüsselrolle in der Rüstungsindustrie zwischen 1940 und 1945 über sich ergehen lassen.

85 Prozent der Wohnungen und 65 Prozent der Industrieanlagen erlagen den Angriffen der Nacht vom 22.Oktober 1943. In der mittelalterlichen Altstadt zerstörte der Feuersturm so gut wie jedes einzelne der größtenteils aus Fachwerk bestehenden Häuser. Fast jeder, der die Bombardierung überlebte, hatte Freunde und Angehörige verloren.

Gedenkveranstaltung in Kassel

Eine offizielle Gedenkveranstaltung mit Filmen, Musik und Vorträgen findet von 18 bis 19 Uhr in der Martinskirche in Kassel statt. Ein ökumenischer Gottesdienst schließt sich um 19.30 Uhr am selben Ort an. Die Osannaglocke und weitere Glocken im Stadtgebiet werden um 20.44 Uhr läuten: zu dem Zeitpunkt, als das Bombardement vor 75 Jahren begann. Um 16 Uhr wird ein 3D- Bronzemodell des alten Kassel auf dem Friedrichsplatz, gegenüber Café Nenninger, durch Oberbürgermeister Christian Geselle enthüllt. Dieses soll vor allem blinden und sehbehinderten Menschen einen Eindruck der im zweiten Weltkrieg untergegangenen Altstadt vermitteln.

Unabhängig vom Gedenktag bietet die Projektgruppe "kassel-total" Bunkerführungen für Einzelpersonen, Schulklassen und Gruppen an.

 

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