Prozess um verbotene Werbung: Kasseler Frauenärztinnen vor Gericht

Am 29.08.2018 veröffentlicht

Sollte eine Frauenärztin auf Ihrer Internetseite darauf hinweisen, dass sie Abtreibungen durchführt? Nora Szasz und ihre Kollegin Natascha Nicklaus haben genau das getan. Auf ihrer Webseite haben sie Schwangerschaftsabbrüche als Leistung angeboten. Ihnen wird vorgeworfen verbotene Werbung zu machen.

Während vor dem Amtsgericht in Kassel rund 200 Demonstranten ihre Solidarität mit den beiden Angeklagten kundtun, sitzen Nora Szász und ihre Kollegin Natascha Nicklaus bereits auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Verbotene Werbung für Abtreibung. "Wir sind angetreten, weil wir angezeigt und angeklagt wurden von den selbsternannten Lebensschützern. Kriminalisiert. Wir haben ein Jahr damit verbracht, uns damit zu befassen und zu beschäftigen. Wir wollen den Freispruch."

Der §219a des Strafgesetzbuches verbietet es Ärzten, für Abtreibung zu werben. Aber genau das sollen die beiden auf ihrer Praxis-Hompage getan haben. Da wird ein Schwangerschaftsabbruch als möglicher ambulanter Eingriff aufgeführt. ABtreibungsgegner haben Szasz und ihre Kollegin angezeigt. Im Internet führen sie Listen über Ärzte, die Abtreibung anbieten. Auch Szász und Nicklaus sind namentlich erwähnt. Die Gegner vergleichen Schwangerschaftsabbrüche auf ihrer Website mit dem Holocaust.

Der Richter kam am Mittwoch zu keinem Urteil. Für Nora Szász, ihre Kollegin und die vielen Unterstützer ist aber klar, dass ein Paragraf, der 1933 ins Gesetzbuch geschrieben wurde, in einem Rechtsstaat im Jahr 2018 nichts mehr zu suchen hat.

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