Krach beim DFB: Özil tritt aus Nationalelf zurück

Am 23.07.2018 veröffentlicht

Es ist das letzte Kapitel eines immer schlimmer werdenden Streits. Mesut Özil hat genug und tritt aus der Nationalelf zurück. Der türkisch-stämmige Deutsche hat sich mehrfach dem Rassismus ausgesetzt gefühlt und reagiert nun mit seinem Rücktritt. Doch was ist passiert?

Mitte Mai lässt sich Mesut Özil zusammen mit Nationalmannschaftskollege Ilkay Gündogan mit Türkei-Chef Erdogan ablichten. Darauf zu sehen: Özil übergibt dem Staatspräsidenten ein Trikot seines derzeitigen Clubs Arsenal London. In Deutschland sorgt dieses Bild für Empörung - es bricht eine Wertediskussion aus. Özil selbst schweigt dazu, äußert sich monatelang nicht. Ilkay Gündogan hingegen entschuldigt sich und bezieht offen Stellung und bekennt sich nicht zu Erdogan.

DFB-Präsident Reinhard Grindel stellt sich vor Özil und Gündogan, mahnt die Presse vor voreiligen Schlüssen. Man müsse den beiden Zeit geben, es werde sich alles in Zukunft klären. Özil schweigt währenddessen weiterhin, ist einziger Nationalspieler, der am Medientag vor der WM kein Interview gibt.

Auch bei WM enttäuscht Özil

Während der WM enttäuscht die gesamte Mannschaft maßlos. Auch Özil bleibt das komplette Turnier über blass und ideenlos. Nach dem Turnier schreibt er selber, er müsse das erst einmal verdauen und darüber nachdenken. Kurze Zeit später ein verwunderndes Interview von Team-Manager Oliver Bierhoff gegenüber der Welt: "Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet." Später rudert Bierhoff zurück und fühlt sich missverstanden. Es sei nicht falsch gewesen, Özil mit zur WM zu nehmen.

Rücktritt als Konsequenz

Anfang Juli meldet sich Reinhard Grindel wieder zu Wort, fordert nun von Özil eine Stellungnahme, setzt ihn unter Druck. Daraufhin äußert sich Özil in einem mehrseitigen Manuskript und bekundet darin seinen Abschied von der DFB-Elf. Er fühle sich nicht genug gewürdigt und dem Rassismus ausgesetzt. Er bedauere, warum Lothar Matthäus sich mit Vladimir Putin treffen könne und niemand etwas dazu sagt, aber bei ihm direkt eine Debatte entstünde.

Ob sportlich oder menschlich gesehen - es bleibt ein dunkles Kapitel der DFB-Geschichte.

Im Video kommentiert RTL Hessen-Sportreporter Jakob Paßlick die Debatte um Özils Stellungnahme.

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