Landesweite Schülerbefragung: Das sind die größten Schul-Probleme

Am 24.04.2018 veröffentlicht

In den vergangenen Monaten haben über 47.000 hessische Schülerinnen und Schüler, von der 5. Klasse bis zum Abitur, an einer Befragung der Landesschülervetretung (LSV) teilgenommen. Was klappt, was klappt nicht im hessischen Schulsystem? Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

"In der Schule wird viel zu häufig über die Schüler, anstatt mit ihnen, gesprochen". Mit diesen Worten eröffnet der 18-jährige Landesschulsprecher Fabian Pflume die Pressekonferenz im Wiesbadener Landtag. Mit der Online-Befragung, die der Vorstand der LSV heute vorgestellt hat, wurden die Schüler nach ihrer Meinung zu verschiedenen Themenbereichen rund um die Schule befragt. Eine gute, aber ausbaufähige Zahl vorab: 42 Prozent der hessischen Schüler gehen gern zur Schule. 

Unterrichtsausfall

"Vertretungsunterricht, wie er zur Zeit gestaltet ist, ist nicht sinnvoll. Wenn Unterricht ausfällt, muss dieser entsprechend ersetzt werden. Vertretungslehrer dürfen nicht fachfremd sein und müssen den Schülern Unterrichtsinhalte vermitteln, auch wenn die eigentliche Lehrkraft nicht da ist", so Isa-Yael Roth, Mitglied der Landesschülervertretung. Mit zunehmendem Alter wächst auch unter der Schülerschaft die Kritik an der Qualität des Vertretungsunterrichts: Ist mehr als die Hälfte der Unterstufenschüler mit dem Vertretungsunterricht zufrieden, geben weniger als 20 Prozent der Oberstufenschüler an, während der Vertretungsstunden etwas zu lernen.

Berufliche Orientierung

Je anspruchsvoller die Schulform, desto schlechter fühlen sich die Schüler auf das "wirkliche Leben" nach ihrem Abschluss vorbereitet. Fast 35 Prozent der Gymnasiasten haben Angst vor den Anforderungen, die ihr späteres Leben an sie stellen wird. Laut Hannah Kriebel, stellvertretende Landesschulsprecherin, auch eine Frage des Alters: "In der Unterstufe waren die Schüler noch sehr positiv und optimistisch. Je älter die Befragten wurden, desto häufiger fühlten sie sich schlecht vorbereitet". In den höheren Klassen fände so gut wie keine Berufsorientierung mehr statt.

Bei den befragten Hauptschülern stimmten hingegen nur 18 Prozent dieser Aussage zu. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich 37 Prozent der Gymnasiasten, 44 Prozent der Realschüler und 53 Prozent, also über die Hälfte der Hauptschüler, gut gewappnet für die Zukunft fühlen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sieht hier großen Handlungsbedarf: "Die Berufsorientierung für nicht-akademische Berufe hat an den Gymnasien schlichtweg keine Tradition. Das hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt, und wir müssen daran arbeiten, das voran zu bringen."

Hausaufgaben

"Schülerinnen und Schüler haben auch noch ein Leben abseites der Schule. Wann, wenn nicht am Wochenende, soll man Zeit für Hobbys finden - egal ob Musikinstrument, Sport, Ehrenamt, oder einfach das Treffen mit Freunden. Ich finde es erschreckend, dass so viele Mitschüler angegeben haben, dass sie sich das Wochenende nicht hausaufgabenfrei halten können", sagt uns Landesschulsprecher Fabian Pflume im Interview. Das Wochenende müsse ein Ausgleich sein. Rund 35 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, auch am Wochenende an den Hausaufgaben zu arbeiten. Besonders Hauptschüler, die außerhalb Unterstützung bei den Hausaufgaben bekommen, fühlen sich überfordert. "Bildungserfolg darf nicht von der Unterstützung Zuhause abhängen", so Pflume weiter.

Mobbing

Mobbing ist ein großes und wichtiges Thema für die hessischen Schüler. 27 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal Opfer von Mobbing gewesen zu sein. 38 Prozent konnten schon einmal beobachten, wie Mitschüler von anderen gemobbt wurden. Für Hannah Kriebel eine erschreckende Zahl: "Das ist fast schlimmer, als die Zahl der Mobber. Diese Menschen könnten dafür sorgen, dass Mobbing aufhört, tun es aber nicht." An wen sie sich in solch einem Fall wenden müssen, wissen die wenigsten: Ein Drittel der Schüler gab an, nicht zu wissen, wer in Mobbing-Fällen der richtige Ansprechpartner ist.

Inklusion

Auch wenn an vielen hessischen Schulen Inklusion ein wichtiges Thema ist: Die meisten Schüler (73 Prozent) haben noch nie einen Unterricht gemeinsam mit einem körperlich oder geistig behinderten Mitschüler besucht. Ganz konkret zählt die LSV drei große Probleme bei der Inklusion auf, an denen dringend gearbeitet werden muss: 

1) mangelnde Aufklärung der Schüler
2) zu wenig geschultes Personal
3) keine behindertengerechten Gebäude

Der Rest bewertet Inklusion größtenteils als positiv.

 

 

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