Kontrolle bei der AWO versagt: Dubiose Pflegeheim-Deals

Am 13.01.2020 veröffentlicht

Der AWO-Skandal geht in die nächste Runde: Nun wurde bekannt, dass ein AWO-Verantwortlicher zwei Pflegeheime an eine selbst gegründete Firma verkauft haben soll. Nun kassiert dieser die Miete von der AWO. Unsere Reporter Andrea Reber und Benjamin Holler haben nachgefragt.

Nicht nur Vorgänge um undurchsichtige Gehaltsstrukturen und Luxus-Dienstwagen bei der AWO in Frankfurt werden geprüft - auch der Verkauf von zwei Pflegeeinrichtungen beim Bezirksverband Hessen-Süd. Der hr schreibt, dass es im Zusammenhang mit dem Verkauf von zwei Pflegeheimen zu Regelverstößen gekommen sei. Die Heime sollen an Immobiliengesellschaften verkauft worden sein, zu deren Gründern und Gesellschaftern der damalige Generalbevollmächtigte des Bezirksverbands gehört habe.

Die Verkäufe seien "bereits Bestandteil eines laufenden Prüfungsverfahrens", sagte eine Sprecherin des Awo-Bundesvorstands. "Aufgrund der laufenden Verfahren kann zwar keinen Prüfungsergebnissen vorgegriffen werden. Eindeutig ist aber, dass keine Insichgeschäfte bei der AWO erlaubt sind." Kein Mitglied der Geschäftsführung oder des Aufsichtsgremiums dürfe bei seinen Entscheidungen persönliche Interessen verfolgen, "welche im Widerspruch zu den Interessen des Unternehmens stehen oder Geschäftschancen, die dem Unternehmen zustehen, für sich persönlich nutzen", heißt es unter Verweis auf Awo-Regeln.

Experte fordert bessere Kontrolle

Schuld für fehlende Kontrolle bei Sozialverbänden sei auch der Gesetzgeber, kritisiert Politikwissenschaftler Rupert Graf Strachwitz. Der Experte für Gemeinnützigkeit vom Maecenata-Institut in Berlin sagt: "Es kann nicht sein, dass Organisationen, die von sich selber sagen, sie täten für die Allgemeinheit etwas gutes, dieser Allgemeinheit nicht sagen müssen, was sie tun, woher sie die Mittel dafür haben und wie die Entscheidungen dafür zustande kommen." Er fordert verpflichtende und einheitliche Transparenzvorschriften.

 

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