Lebensgefährlicher Leichtsinn: Die Gleisflitzer von Frankfurt-Eschersheim

Am 19.04.2018 veröffentlicht

Aufgrund von Bauarbeiten hat die Bahn an der S-Bahnhaltestelle Frankfurt-Eschersheim die alte Fußgängerbrücke abgerissen. Zuggäste wechseln nun die Seite, in dem sie über die Gleise laufen - ein lebensgefährlicher Leichtsinn.

"Ja, ich weiß", sagt ein Mann, den wir nach dem Überqueren ansprechen, "aber es ist sonst so weit!" Wie er, denken offenbar viele, während der Dreharbeiten entdecken wir immer wieder Menschen, die die illegale Abkürzung nehmen. Genaue Zahlen erhebt die Deutsche Bahn nicht, laut einer Sprecherin kontrolliere das Unternehmen aber vermehrt mit eigenen Mitarbeitern und arbeite eng mit der Bundespolizei zusammen, um das illegale Überqueren zu unterbinden.

2014 starb hier ein Mann, weil er die Abkürzung über die Gleise nahm - eine Regionalbahn hat ihn erfasst. Und genau die sorgen für die Gefahr am Bahnhof: Sie rasen mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde über die Gleise. Fürs Bremsen ist es dann meistens zu spät: Ein Zug kommt bei einer sogenannten Gefahrbremsung bei dieser Geschwindigkeit erst nach 800 bis 1000 Metern zum Stehen. 

Viele Passanten finden dieses Verhalten gefährlich. "Ich finde es nicht gut, dass die Leute hier über die Gleise gehen. Ich würde das nicht machen, man weiß nie wann was kommt", sagt ein Fahrgast. Ein anderer: "Ein Bahnhof sollte funktionieren. Und dazu gehört eben auch eine Brücke!"

Schriftlich teilt die Bahn dazu mit: "Wir bedauern, dass unsere Fahrgäste bis zur Herstellung einer Ersatzbrücke weitere Wege in Kauf nehmen müssen. Gleichzeitig appellieren wir eindringlich, in keinem Fall über die Gleise zu gehen."

Im vergangnen Jahr starben laut Deutscher Bahn rund 80 Menschen, die die Gleise unerlaubt betreten haben und von Zügen erfasst wurden. Neben der Lebensgefahr kann das illegale Betreten auch rechtliche Folgen haben: Bis zu 5000 Euro Strafe und in besonders schweren Fällen drohen sogar bis zu 10 Jahre Haft. 

Ein Sprecher der Bahn sagte gegenüber der Bild, dass es "wahrscheinlich" eine Ersatzbrücke an anderer Stelle geben werde. Wann sei derzeit aber noch unklar.

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