Limburger LKW-Attacke: Prozess wegen versuchten Mordes startet

Am 09.09.2020 veröffentlicht

Versuchter Mord in 18 Fällen: So lautet die Anklage gegen den Amokfahrer von Limburg. Es ist fast ein Jahr her, dass ein Lastwagen mehrere Autos rammt, ineinander schiebt und dabei 18 Menschen verletzt. Einen Terroranschlag schließen die Ermittler aus - alles weitere wird nun vor Gericht geklärt - unsere Reporter Tim Kirschsieper und Rafael Fleischmann sind vor Ort.

Knapp ein Jahr nach einem mutmaßlich absichtlich verursachten Auffahrunfall mit einem Lastwagen mitten in Limburg beginnt heute der Prozess. 

Der Angeklagte soll am Abend des 7. Oktober 2019 zunächst einen Lkw-Fahrer aus dessen Gefährt gezogen und sich dann selbst hinters Steuer gesetzt. Gut 300 Meter später soll er an einer Ampelkreuzung absichtlich in vor ihm wartende Wagen gefahren sein.  Den Ermittlungen zufolge war der Lastwagen zu diesem Zeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von etwa 44 Stundenkilometern unterwegs. Zehn Fahrzeuge wurden aufeinander geschoben, 18 Menschen erlitten dabei Verletzungen. Der Mann wurde noch am Tatort festgenommen und kam später in Untersuchungshaft.

Fahrer soll unter Drogen gestanden haben

Das Motiv des Syrers für die Tat in unmittelbarer Nähe zum Limburger Gerichtsgebäude ist bislang unklar, er schweigt zu den Vorwürfen. Zur Tatzeit soll er unter dem Einfluss von Marihuana gestanden haben. Die Ermittler kamen nach Angaben eines Sprechers zu dem Schluss, dass eine Einschränkung der Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann aber "billigend in Kauf genommen haben, dass durch die Kollision Menschen in den Fahrzeugen, die mit einem Angriff nicht rechneten, getötet werden".

Das Urteil wird für den Oktober erwartet. Der Fall wird nicht im Gebäude des Landgerichts verhandelt, sondern coronabedingt in einem Zeltbau, in dem es mehr Platz für Prozessbeteiligte und Zuschauer gibt.

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