Lübcke-Prozess: Sohn des ermordeten Regierungspräsidenten sagt aus

Am 08.12.2020 veröffentlicht

Vor dem Frankfurter Oberlandesgericht wurde am Vormittag der Prozess um den Hauptangeklagten im Mordfall Walter Lübcke fortgesetzt: Nachdem sich Stephan Ernst beim letzten Gerichtstermin den Fragen der Familie des ermordeten Kassler Regierungspräsidenten stellen musste, hat heute Walter Lübckes Sohn vor den Richtern ausgesagt. Rafael Fleischmann und Tim Ellrich berichten.

Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat am Dienstag der älteste Sohn des CDU-Politikers vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt ausgesagt. Dabei ging es nicht nur um den Tod seines Vaters, sondern insbesondere um eine Zufallsbegegnung im Jahr 2018. Er habe mit seinem Vater vor seinem Haus gestanden und sich über seine geplante Masterarbeit unterhalten, sagte Christoph Lübcke. Dabei habe er zwei Männer gesehen, die ihn und seinen Vater in den Blick genommen hätten. Sein Vater habe anschließend gefragt, was das denn gewesen sei. "Wir fühlten uns angestarrt."

Eine Woche zuvor hatte der wegen des Mordes an Lübcke angeklagte Stephan Ernst geschildert, dass er Lübcke bei einem gemeinsamen Besuch mit dem wegen Beihilfe angeklagten Markus H. an Lübckes Wohnort mit einem "Nachbarn" vor einem Haus habe stehen sehen. Nach der Beschreibung des Gebäudes kam die Frage auf, ob es sich um das Wohnhaus des älteren Lübcke-Sohns handeln könnte.

Mitangeklagter Markus H. auch wegen Verstoß gegen Waffengesetz angeklagt 

Außerdem sagte erneut ein Sachverständiger für Schusswaffen aus. Vor dem Oberlandesgericht (OLG) ging es dabei nicht um den Mord selbst, sondern um den erfolgreichen Rückbau einer als Deko-Waffe bezeichneten Maschinenpistole, die in Besitz des wegen Beihilfe angeklagten Markus H. war. Die Bundesanwaltschaft wirft H. als weiteren Anklagepunkt einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Der Sachverständige, ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA), hatte die Waffe in weniger als sechs Stunden wieder zurückbauen und mit ihr vollautomatische Schüsse abgeben können.

Empfohlene Kanäle