Missbrauchsdebatte: Gedenktag für Opfer der Kirche

Am 18.11.2018 veröffentlicht

Die Studie über den Missbrauch in der Katholischen Kirche hat viele schockiert. Die Bischöfe haben Aufklärung angekündigt und gehen auch mit ihrer Kirche hart ins Gericht.

"Die Kirche ist eine Täterorganisation", sagt Limburgs Bischof Georg Bätzing. Sie müsse sich sagen lassen, dass Täter geschützt wurden: "Sie muss sich sagen lassen, die Opfer nicht beachtet zu haben." Bätzing möchte sexuellem Missbrauch im seinem Bistum transparent, offen und mit externer Begleitung aufarbeiten. Zudem soll vor allem ein nötiger Perspektivwechsel auf die Opfer hin stattfinden.

Gottesdienst gedenkt der Opfer

Im Mainzer Dom hat der dortige Bischof Peter Kohlgraf erstmals einen Gottesdienst in Gedenken an die Opfer kirchlichen Missbrauchs gehalten. In seiner Predigt verurteilte er die Taten von Geistlichen: "Menschen, die im Auftrag Gottes zu handeln behaupten, zerstören Leben, zerstören Vertrauen, und darüber hinaus nehmen sie den von ihrer Gewalt betroffenen Menschen das Vertrauen in einen liebenden Gott." Kohlgraf sagte, dass die Taten in keiner Form zu entschuldigen seien.

Harald Schwarzer aus dem Vogelsbergkreis erlebte den Missbrauch. Der heute 71-jährige wurde als Ministrant von seinem Pfarrer missbraucht. In der Beichte wurde er nicht ernst genommen. So konnte er viele Jahre nicht über seine Erlebnisse reden: "Sie entwickeln Ängste, die sie immer wieder einholen und diesen Ängsten müssen sie begegnen." Er hielt sich nicht an den hundertfachen Ratschlag aus der Kirche auszutreten, sondern er stellte sich, indem er als Notfallseelsorger arbeitet.

Opfervereinigungen fordern juristische Aufarbeitung

Bußen, Gedenktage und Entschuldigungen würden nicht ausreichen, sagt die Opferschutzvereinigung "Eckiger Tisch". Vielmehr sei eine juristische Aufarbeitung und eine Entschädigung der Opfer nötig. Nach der Studie zu Übergriffen in der katholischen Kirche gab es in den vergangenen Jahrzehnten 3600 Missbrauchsopfer.

Im Video von Friede Guthmann und Benjamin Holler sehen Sie, welche Forderungen der Betroffenenrat an die Kirche richtet.

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