Wer ist schuld?: Bürgermeister muss sich für Tod dreier Geschwister verantworten

Am 08.01.2020 veröffentlicht

Diese Tragödie im hessischen Neukirchen sorgte im Sommer 2016 bundesweit für Schlagzeilen: Drei Geschwister ertrinken in einem Teich. Vier Jahre danach ist die Schuldfrage immer noch ungeklärt. Ab morgen steht der Bürgermeister der Gemeinde, Klemens Olbrich, vor Gericht – ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen.

Familie verliert drei ihrer seinerzeit sechs Kinder

Es ist der 18. Juni 2016. Der elf Jahre alte Sohn der Familie hatte am Abend seine Geschwister gesucht und wollte sie nach Hause holen. Am Dorfteich entdeckte er dann das Unglück, rannte sofort zu den Nachbarn, die dann die Rettungskräfte alarmierten.

Wenige Minuten später holten Anwohner den bewusstlosen Fünfjährigen aus dem Teich. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, er verstarb noch an der Unglücksstelle. Als die Rettungskräfte eintrafen, offenbarte sich eine noch größere Tragödie: Zwei weitere Kinder der Familie wurden vermisst. Taucher durchsuchten das Areal und fanden das achtjährige Mädchen und ihren neun Jahre alten Bruder – konnten sie aber nur noch tot bergen.

Laut den Ermittlern konnten die beiden jüngeren Geschwister nicht schwimmen. Der neunjährige Bruder konnte zwar schwimmen, kam aber in dem trüben, ein bis zwei Meter tiefen, Teich dennoch ums Leben. Die deutsch-syrischen Eltern verloren an einem Abend drei ihrer seinerzeit sechs Kinder.

Wer ist Schuld am Tod der drei Kinder?

Seit vier Jahren ist die Schuldfrage ungeklärt. Laut Staatsanwaltschaft habe der Bürgermeister als Verantwortlicher für Sicherungsmaßnahmen versäumt den Löschteich als potenzielle Gefahrenquelle abzusichern und einzuzäunen. Es soll Olbrich bekannt gewesen sein, dass das Bereich rund um den Teich als Freizeit- und Spielfläche genutzt worden sei.

Eine wichtige Frage für den Prozess ist, um was für eine Art von Teich es sich handelt. Olbrich spricht von einem "Fisch"- oder "Freizeitteich" und sein Verteidiger Karl-Christian Schelzke nennt es einen "Badeteich". Für die Staatsanwaltschaft ist es ein "Löschwasserrückhalteteich", für den Sicherungspflichten bestanden hätten, für die der Bürgermeister verantwortlich ist. Denn für solche Wasserreservoirs gibt es Vorschriften: Sie enthalten die Bestimmung, dass er von einem 1,25 Meter hohen Zaun umgeben sein muss.

Für den Prozess wurden fünf Verhandlungstage angesetzt. Der Erste beginnt morgen, am 9. Januar 2020. Hätte der Bürgermeister Schlimmeres verhindern müssen? Oder war es ein tragisches Schicksal, für das es keinen Schuldigen gibt? Diese Frage muss das Gericht nun klären.

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