Onlinehandel macht Druck: So leer würden Innenstädte ohne Geschäfte aussehen

Am 16.04.2018 veröffentlicht | 639 Aufrufe

Mit einer ungewöhnlichen Aktion wollen Bornheimer Einzelhändler auf das drohende Innenstadtsterben aufmerksam machen. Hintergrund: Viele Kunden shoppen lieber online, als in den Einzelhandel zu gehen.  Darunter leiden auch andere Städte im Rhein-Main-Gebiet. Abhilfe könnten verkaufsoffene Sonntage schaffen - doch die hat die Stadt 2017 verboten.

Jan Unnewehr klebt seine Schaufenster zu. Für den Geschäftsführer eines Kofferladens ist klar: „Wir müssen ein Zeichen setzen gegen das Innenstadtsterben.“ Insgesamt beteiligen sich rund 30 Einzelhändler von der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße an der Aktion. So wollen sie zeigen, wie Innenstädte ohne Einzelhandel aussehen würden. Früher war die Berger Straße in Bornheim eine der Haupteinkaufsstraßen in Frankfurt, seit dem Weggang von Saturn 2013 bleibt die Kundschaft oft aus, viele kaufen online. „Wir wollen ein Bewusstsein schaffen – wenn mehr online gekauft wird, werden wir langsam aussterben“, sagt Unnewehr. „Wir bieten Beratung, man kann Sachen anfassen, anprobieren und erleben – die Kunden haben einfach ein schönes Einkaufsleben bei uns!“

Andere Innenstädte im Rhein-Main-Gebiet sehen sich ebenfalls vom Onlinehandel bedroht. So auch Hanau, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) berichtet. „Wir haben viele, viele Millionen investiert in die Innenstadt für mehr Flair, in besseres Ambiente. Außerdem planen wir ständig neue Aktionen mit dem Einzelhandel, um die Menschen aus der Stadt und Region zum Einkauf in die Innenstadt zu bewegen.“ Helfen könnten verkaufsoffene Sonntage.  Erst im November vergangenen Jahres hat das Verwaltungsgericht Frankfurt jedoch einen verkaufsoffenen Sonntag in Hanau verboten. Oberbürgermeister Kaminsky will aber weiterkämpfen. „Machen wir uns nichts vor: Die Onlinekonkurrenz hat sieben Tage die Woche geöffnet!“ Nur mit mehr Verkaufstagen könne Hanau seine Bedeutung als Einzelhandelsstandort in der Region ausbauen.

Gewerkschaft: Mehr Tage helfen nicht!

Dagegen protestiert die Gewerkschaft ver.di. Noch mehr offene Tage würde die Mitarbeiter unnötig belasten. „Die Umsätze, die sich viele Unternehmer am verkaufsoffenen Sonntag versprechen, machen sie nicht“, sagt Horst Gobrecht von der Gewerkschaft ver.di. Der Einzelhandel müsse viel mehr auf Alleinstellungsmerkmale setzen. „Das kann der Internethandel nicht bieten, aber der stationäre Einzelhandel. Deswegen muss er in Personal und Beratung investieren. Dann hat er auch eine Chance“, so Gobrecht.

Einzelhändler wie Jan Unnewehr wünschen sich verkaufsoffene Sonntage, mindestens vier bis sechs müssten es sein. Die Stadt hat im vergangenen Jahr aber alle drei geplanten verboten. Für Unnewehr ein herber Verlust: „Dann hätten wir am Sonntag mal zeigen können, was wir haben. Wir könnten Familien sagen, kommt am Sonntag her – doch das können wir leider nicht.“ Gerade auch deswegen wollen die Händler auf der Berger Straße nun noch mehr auf ihre Kernkompetenz setzen – die Kundenberatung.

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