Neues Organspende-Gesetz: Wie sinnvoll ist die "doppelte Widerspruchslösung"?

Am 02.04.2019 veröffentlicht

Für das Thema Organspende scheint es noch immer keine zufriedenstellende Lösung zu geben: Laut Umfragen sind viele dazu bereit, ein Organ zu spenden, aber nur jeder dritte Deutsche hat tatsächlich einen Ausweis in der Tasche. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will es nun richten: Ein neuer Gesetzesentwurf soll automatisch jeden zum Spender machen, außer er widerspricht zu Lebzeiten, oder ein Verwandter widerspricht nach dem Tod.

Jedes Jahr warten Tausende auf ein Organ

Laut Spahn habe die bisherige Lösung mit dem Organspendeausweis einfach nicht gefruchtet. Im letzten Jahr ist die Zahl der Spender zwar seit Längerem wieder etwas angestiegen. Allerdings sind 955 Spender in Anbetracht der rund 9.400 Patienten, die auf ein Organ warten, vergleichsweise wenig. Laut SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sterben jedes Jahr um die 2.000 Menschen, die auf der Warteliste stehen.

Der neue, von Jens Spahn angestrebte Entwurf, trägt den Namen „doppelte Widerspruchslösung“. Das „doppel“  erklärt sich insofern, dass auch Angehörige künftig dazu in der Lage wären, einer Organspende zu widersprechen. Spahn betonte in einer Pressekonferenz am Montag, dass es sich nicht um eine Organ-Abgabepflicht handele, da man ihr begründungslos widersprechen könne.

„Schweigen heißt aber nicht Zustimmung“

Spahns Entwurf trifft auf Widerstand: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bezeichnet die neue Regelung als ein Aufgeben der Freiwilligkeit. Laut Vorstand Eugen Brysch sei es zwar ethisch besonders wertvoll, anderen Menschen ein Organ zu schenken, dieses „ist aber nicht mit der Brechstange zu erzwingen“, sagte er zur Deutschen Presseagentur. Schweigen sei schließlich nicht mit Zustimmung gleichzusetzen.

Wie geht es jetzt weiter?

Der Gesetzentwurf soll in den Bundestag eingebracht werden, der dann ohne Fraktionszwang über eine Reform entscheiden soll. Einen Termin gibt es dafür noch nicht.

Für die neue Regelung ist eine große Informationskampagne geplant, zusätzlich soll jeder ab 16 Jahren dreimal direkt mit Informationen angeschrieben werden. Bürger sollen Erklärungen zur Organspende dann beim Ausweisabholen - also spätestens alle zehn Jahre - in ein Register eintragen können. Dafür sollen Ämter Info-Material ausgeben, aber nicht selbst beraten.

Im Videobericht von unserem Reporter Tim Kirschsieper sehen Sie, was Lisa-Verena Hupke aus Kriftel dazu sagt: Die heute 32-Jährige hatte eine Lebertransplantation und konnte so ihr Leben weiterführen.

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