"Bildung ist abhängig vom Geldbeutel": Pisa-Ergebnisse aus Sicht der GEW Hessen

Am 03.12.2019 veröffentlicht

Und wieder geht es ein Stück abwärts mit Deutschlands Schülern - zumindest laut aktueller Pisa-Studie. Im Vergleich zur letzten Untersuchung 2016 haben sich die deutschen Schüler in allen drei Bereichen der internationalen Vergleichsstudie - Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften - leicht verschlechtert.

Diese Entwicklung scheint Trend zu sein - bereits vor drei Jahren hatten die deutschen Schüler in zwei Bereichen Punkte verloren. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies bei der Vorlage der Zahlen in Berlin aber auch darauf hin, dass die deutschen Schüler leistungsmäßig weiterhin über dem OECD-Durchschnitt und damit auf einem guten Niveau lägen.
In Mathematik und Naturwissenschaften sei Deutschland sogar deutlich besser als der Durchschnitt der OECD-Länder. Der Abstand zur Spitzengruppe in Europa und Asien mit Singapur, Hongkong, Japan, Estland, Kanada oder Finnland bleibt dennoch groß.

Geld bestimmt die Bildung

Im Interview mit RTL Hessen bestätigt Maike Wiedwald, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen, dass die "Abwärtsentwicklung" in Deutschland zu erwarten war. Die soziale Spaltung habe man schon länger beobachtet, viele schulpflichtige Kinder würden von zu Hause nicht die notwendige Unterstützung bekommen. "Bildungsgrad ist abhängig vom Geldbeutel der Eltern", so Wiedwald, hier müsse es dringend eine Veränderung geben.

Maßnahmen gegen den Abwärtstrend

Die Vorsitzende der GEW Hessen betont im Interview die Notwendigkeit von Maßnahmen. Zum einen sei mehr Geld für das Bildungssystem in Hessen sowie bundesweit notwendig, um z.B. mit mehr Personal die Schüler angemessen zu fördern. Zusätzlich müssten Schulen den "Spaß am Lernen" mehr in den Fokus rücken, Lernen müsse Freude machen.

Zum Hintergrund
(Quelle: dpa)

Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Dieses Mal nahmen rund 600 000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern teil, in Deutschland knapp 5500. Es war die mittlerweile siebte Runde. Seit dem Jahr 2000 werden für den Vergleichstest alle drei Jahre weltweit Hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften getestet.

Schwerpunktmäßig wird jeweils ein Bereich stärker abgefragt. Diesmal ging es vor allem um die Lesekompetenz. Die Tests finden inzwischen vor allem am Computer statt. Die Schüler müssen sich durch verschiedene Aufgaben klicken.

Die Zahlen im Einzelnen: Im Bereich Lesen erreichten die deutschen Schüler einen Punktwert von 498 (2016: 509), in Mathematik 500 (2016: 506) und in Naturwissenschaften 503 (2016: 509). Zum Vergleich: Die Spitzenländer kamen auf Werte zwischen 550 und 590, Länder am Ende der Skala wie die Dominikanische Republik oder die Philippinen auf Werte zwischen 325 und 340.

Vergleicht man die Ergebnisse der aktuellen Studie mit dem Schwerpunkt Lesen mit der letzten Schwerpunktstudie Lesen, die 2010 veröffentlicht wurde, erreichen die 15-Jährigen in Deutschland heute ähnliche Ergebnisse.

In Deutschland - so wie auch in allen anderen OECD-Staaten - schnitten die Mädchen bei der Lesekompetenz deutlich besser ab als die Jungen. In Mathe sind die Jungen vorne. Bei den Naturwissenschaften sehen die Autoren in Deutschland keine Unterschiede. Als bedenklich eingestuft wird, dass jeder fünfte 15-Jährige beim Lesen nur ein sehr geringes Leistungsniveau erreicht. Das heißt, er oder sie kann mit ganz einfachen Leseanforderungen nicht umgehen. Auch in Mathe und Naturwissenschaften liegt der Anteil der leistungsschwachen Schüler bei rund 20 Prozent.

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