Nach Nahles-Rücktritt: Schäfer-Gümbel ruft zu Besonnenheit auf

Am 02.06.2019 veröffentlicht

Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Genossen nach dem angekündigten Rückzug der SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles zur Besonnenheit ermahnt.

"Ich empfehle, jetzt jede Form von Schnellschüssen zu vermeiden", erklärte er am Sonntag vor Journalisten am Frankfurter Flughafen. Die Entscheidung von Nahles nannte er "nachvollziehbar". "Mit ihrem Schritt hat Andrea Nahles den Weg zu einer Neuaufstellung der SPD geöffnet. Auch dafür verdient sie Dank und Anerkennung", kommentierte Schäfer-Gümbel.

"Die Art und Weise, wie manche in den Tagen seit der für uns verlorenen Europawahl mit Andrea Nahles umgegangen sind, war inakzeptabel", ergänzte er. Kritik und Debatte müssten auch hart in der Sache immer möglich sein. "Ich habe aber in den internen, mehr noch aber in den öffentlichen Erklärungen um die Partei- und Fraktionsvorsitzende schmerzlich die wichtigsten Grundwerte der Sozialdemokratie vermisst: Respekt und Solidarität", so Schäfer-Gümbel.

Auch hessische SPD-Politiker hatten ihre Bundesparteichefin heftig kritisiert. Der nordhessische Landtagsabgeordnete Oliver Ulloth schrieb nach der Europawahl, dass Nahles „erst die Hessenwahl und nun die Europawahl kaputt gemacht habe“. Er hatte auf Facebook angekündigt, „nicht Ruhe zu geben“, bis sie zurückgetreten sei.

Mit dem Rücktritt von Andrea Nahles aus allen Ämtern könnte auch die Große Koalition in Berlin auf der Kippe stehen. Thorsten Schäfer-Gümbel verwies auf Nachfrage darauf, dass im Koalitionsvertrag sowieso eine Überprüfung vorgesehen sei. "Darüber werden wir in den nächsten Tagen zu sprechen haben. Aber ich glaube auch da gilt: Mit der Entscheidung von Andrea Nahles ist der Blick auf die eigentlich grundsätzlichen strategischen Fragen wieder möglich. Es war ja in den letzten Tagen nicht möglich, ernsthaft über Politik zu reden", erklärte er. 

Jusos Frankfurt wollen Schäfer-Gümbel als Übergangschef

Die Jugendorgansiation der SPD in Frankfurt fordert einen Ausstieg aus der Großen Koalition, außerdem sollen die für Dienstag angedachten Wahlen zum Vorsitz der Bundestagsfraktion verschoben werden, um ausreichend Zeit für eine Personaldebatte zu finden.

Als Interims-Parteichef schlagen die Frankfurter Jusos Thorsten Schäfer-Gümbel vor. „Er ist am besten geeignet, da er durch den Rückzug aus der Politik keine Ambitionen hat und so den Übergang neutral und glaubwürdig einleiten würde“, heißt es in einer Mitteilung am Sonntag.

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