Prozess in Gießen: Betreiber von Free-Fall-Tower vor Gericht

Am 12.02.2019 veröffentlicht

August 2015: Für die zwölfährige Sina E. wird der Sprung von einem neun Meter hohen Free-Fall-Tower auf dem Hoherodskopf im Vogelsbergkreis zum Verhängnis. Nach dem Absprung prallt sie von der Umrandung des Sprungkissens ab und schlägt mit dem Kopf auf einen Felsbrocken auf. Einen Monat lang liegt sie im Koma und erliegt schließlich ihren Verletzungen. Jetzt müssen sich die beiden Betreiber des Sprungturms vor dem Landgericht Gießen wegen fahrlässiger Tötung verantworten. 

Für Sinas Eltern sitzt der Schmerz des Verlustes tief. Im Herbst 2017 sprachen wir mit Mutter Beatriz E. über den Vorfall: "Ich sollte ein Video machen. Dann ist es plötzlich ganz schnell gegangen. Ich habe sie fallen gesehen und dann hat sie sich nicht mehr bewegt." Vater Jürgen E. kritisierte damals die Betreiber. Er war überzeugt davon, dass der Sprungturm so nicht hätte betrieben werden dürfen. "Es ging anscheinend einfach nur da drum, schnell Geld zu machen", sagte er uns im Interview.

Sina bekam kurz vor dem Moment des Absprungs Angst und griff mit der linken Hand nach dem Geländer. Dadurch wurde ihr Sprung abgelenkt und sie springt nicht in das, für den Aufprall vorgehesene Kissen, sondern auf dessen Umrandung und wird aus der sicheren Zone geschleudert. Bei einer vekehrssicheren Sprunganlage dürfte so etwas im Normalfall nicht passieren.

Angeklagte äußern sich

Es sei für sie nach wie vor "unglaublich, dass so ein schreckliches Unglück bei uns passiert ist", sagte einer der beiden Angeklagten zu Beginn der Verhandlung am Dienstag. "Wir würden alles tun, um es rückgängig zu machen. Das ist leider nicht möglich." Hätten sie die Gefahr geahnt, hätten sie die Sprung-Veranstaltung nie angeboten. Die 42 und 44 Jahre alten Angeklagten erklärten, sie hätten auf die Erfahrung und die Kenntnisse des "Profi-Teams" der Firma vertraut, die für den Aufbau des Sprungkissens zuständig gewesen sei.

Urteil voraussichtlich Mitte März

Die Staatsanwaltschaft wirft den Betreibern des Free-Fall-Towers fahrlässige Tötung vor. Angeblich soll die Sprunganlage nicht verkehrssicher gewesen sein. Nach Angaben des Landgerichts geht es im Prozess unter anderem um die Felsbrocken in der Nähe des Sprungkissens. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird es in dem Prozess auch um die Qualität eines TÜV-Gutachtens für den Sprungturm gehen. Zudem müsse geklärt werden, ob für die Anlage eine behördliche Genehmigung nötig gewesen wäre. Mit dem Urteil ist Mitte März zu rechnen. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. 

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