"Bleibe politischer Mensch": Thorsten Schäfer-Gümbel legt Parteiämter nieder

Am 19.03.2019 veröffentlicht

Thorsten Schäfer-Gümbel, Landes- und Fraktionsvorsitzender der hessischen SPD, wird sein Amt als Landes- und Fraktionsvorsitzender niederlegen. Auch stellt er sich nicht mehr als stellvertretender Bundesvorsitzender auf. Im Herbst will er den Staffelstab weiter geben.

Für viele kommt Schäfer-Gümbels Entscheidung nicht überraschend. Insgesamt drei Mal hatte er versucht, hessischer Ministerpräsident zu werden. Genauso oft scheiterte er an dem Vorhaben und blieb der ewige Oppositionsführer. Eine mögliche Nachfolgerin kann seine bisherige Stellvertreterin und Generalsekretärin Nancy Faeser sein. Die Entscheidung über die Nachfolge obliegt jedoch nicht ihm selbst, sondern den restlichen Parteimitgliedern. Nächster Parteitag ist am 2. November.

"Alles hat seine Zeit", sagte Schäfer-Gümbel auf einer Pressekonferenz am Nachmittag in Wiesbaden, "Ich werde in diesem Jahr 50 Jahre alt und muss entscheiden, an welcher Stelle ich meine Kraft und Energie zum größtmöglichen Nutzen einbringe." Er erinnerte an seinen dritten Landtagswahlkampf als Spitzenkandidat: "Ich war bereit dazu, wie nie zuvor." Die Entscheidung, bei einer Niederlage kein viertes Mal zur Wahl anzutreten, habe er bereits vor der Wahl vergangenen Herbst getroffen.

"Es ist nur ein Abschied aus Ämtern, nicht aber von Menschen, Ideen und dem Kampf für eine bessere Welt. Ich werde ganz sicher kein unpolitischer Mensch." Schäfer-Gümbel wolle sich weiter für die Sozialdemokratie engagieren. Schäfer-Gümbel wechselt zur Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und werde dort Personalvorstand.

Entscheidung stand schon früher fest

Schäfer-Gümbel hat bereits direkt nach dem Debakel bei der Landtagswahl Ende Oktober seinen Rückzug aus der Politik beschlossen. Der SPD-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles habe er am Tag nach der Abstimmung gesagt, dass es keinen vierten Anlauf als Spitzenkandidat in Hessen mit ihm geben werde, sagte Schäfer-Gümbel am Dienstag in Wiesbaden. Zuvor hatte der Bundesvize der Sozialdemokraten erklärt, sich vollständig aus der Politik zurückzuziehen. Der 49-Jährige wechselt zur Deutschen Gesellschaft für Internationale (GIZ) als Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied.

Thorsten Schäfer-Gümbels Werdegang:

Thorsten Schäfer-Gümbel erblickte in Oberstdorf im Allgäu 1969 das Licht der Welt. Als einer von drei Söhnen wuchs er in der Gießener Nordstadt auf, machte dort auch sein Abitur und studierte anschließend zunächst Agrar- und später Politikwissenschaft in Gießen. Nach abgeschlossenem Studium arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent und kümmerte sich um die Soziale Stadterneuerung in der Gießener Nordstadt.

Bereits während seiner Schulzeit trat TSG 1986 in die SPD ein und engagierte sich bei den Jusos. Von 2001 bis 2011 war er kommunalpolitisch als Kreisgasabgeordneter im Landkreis Gießen aktiv. 2003 wurde er erstmals zum Abgeordneten des Hessischen Landtags gewählt

Fünf Jahre später wurde Schäfer-Gümbel zum Spitzenkandidat auserkoren, nach der Landtagswahl im Jahre 2009 übernahm er dann das Amt des Landes- und Fraktionsvorsitzenden der hessischen SPD – vier Jahre später wurde er dann auch zum stellvertretenden Vorsitzenden der Bundes-SPD gewählt. Für die Landtagswahl 2018 trat TSG erneut als Spitzenkandidat an. Sein Ziel, Ministerpräsident von Hessen zu werden, erreichte er leider nicht. Zu gering fiel das Wahlergebnis für die hessische SPD aus: Gerade einmal 19,8 Prozent der Stimmen konnten sie für sich gewinnen und erreichten so ein historisches Tief. Die hessische SPD verbuchte ihr schlechtestes Landesergebnis jemals.

TSG versprach dennoch, sich in der Opposition insbesondere für sein Herzensthema Wohnungspolitik stark zu machen. Am Dienstagmittag verkündete der 49-Jährige dann während einer Fraktionssitzung seinen Rücktritt als Vorsitzender der Hessen-SPD.

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