Umfrage zur kostenlosen Kitabetreuung: Wie setzen die Kommunen die Neuregelung um?

Am 14.05.2018 veröffentlicht

Die Kinderbetreuung in Hessen wird ab August für sechs Stunden am Tag kostenfrei - Vor allem für Eltern mit Teilzeitarbeitsplätzen sollte das auch finanzielle Erleichterung bedeuten. Doch in manchen Orten steigen die Kosten für Eltern dafür an anderer Stelle. Wie unterschiedlich die Gebühren in Hessen letztendlich ausfallen, hat nun eine Umfrage der Deutschen Presseagentur unter elf hessischen Kommunen ergeben.

Ende April hatte der Landtag in Wiesbaden einem Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen zugestimmt. Vom 1. August an ist der Kita-Besuch für alle Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung an sechs Stunden pro Tag kostenlos. Bislang war nur das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung für fünf Stunden gebührenfrei. In Horten und Krippen ändern sich die Gebühren ebenfalls. Die Kommunen erhalten künftig eine Pauschale vom Land in Höhe von 135,60 Euro pro Monat und Kind. Insgesamt will das Land pro Jahr 220 Millionen Euro in die kostenfreie Betreuung investieren und so die Kommunen für ihre Ausfälle entlasten. Wie das in den einzelnen Kommunen umgesetzt wird, zeigen die Ergebnisse der dpa-Umfrage:

Darmstadt: Flexibles Modell

In Darmstadt setzt der Magistrat auf ein flexibles Modell, dass die Eltern ihren Bedürfnissen anpassen können. Der Kindergarten ist wie überall für bis zu 30 Stunden die Woche kostenfrei, bei einer Betreuung von bis zu 40 Stunden werden 45,20 Euro fällig. Kinder können an einzelnen Wochentagen auch bis zu zehn Stunden im Kindergarten betreut werden, ohne dass die Eltern zusätzliche Kosten haben, so lange die Gesamtstundenzeit von 30 Stunden in der Woche nicht überschritten wird. Der Hort für Schulkinder wird teurer. Er kostet statt 129 künftig 151,87 Euro und wird damit an die Kosten der Schulkindbetreuung an den Schulen angepasst.

Kassel: Keine Umwälzung der Gebühren

Die Stadt Kassel will die Neuregelung umsetzen, ohne an anderer Stelle an der Gebührenschraube zu drehen. Das vom Land zur Verfügung gestellte Geld sei ausreichend, um die für sechs Stunden kostenlose Betreuung zu gewährleisten, sagte ein Sprecher der Stadt. Somit sei die Halb- und Dreivierteltagsbetreuung dann kostenfrei, bei der Ganztagsbetreuung reduziere sich die monatliche Gebühr für Eltern von 176 auf 40,40 Euro.

Baunatal: Kita bleibt weiterhin kostenfrei

Im nordhessischen Baunatal ist der Kindergarten seit 2007 kostenfrei, daran soll sich auch jetzt nichts ändern. Für die Stadt könnte die Neuregelung positive Auswirkungen haben: Einen Teil des Gelds, das man für das kostenlose Angebot ausgebe, hoffe man durch die Pauschale des Landes zurückzubekommen. Diese sei allerdings nicht kostendeckend, sagt Bürgermeister Manfred Schaub.

Wiesbaden: Höhere Gebühren für Ganztagsplätze

Die Stadt Wiesbaden hebt die Gebühren im Zuge des neuen Landesgesetzes an. Ab August steigen die Kosten für einen Ganztagsplatz nach Angaben eines Sprechers von derzeit 160 Euro auf 215 Euro. Abzüglich der Pauschale des Landes in Höhe von 135,60 Euro kommen ab dem Sommer dann 79 Euro auf die Eltern für einen Kita-Ganztagsplatz in Hessens Landeshauptstadt zu.

Limburg: Keine Erhöhung geplant

In Limburg müssen die Eltern für die Kinderbetreuung nicht tiefer in die Tasche greifen. „Wir haben derzeit nichts vor“, sagte ein Sprecher der Stadt.

Frankfurt: Krippenplätze sollen kostenlos werden

Auch in Frankfurt sind keine Erhöhungen geplant. Eine Sprecherin des Bildungsdezernats sagte der dpa, Ziel bleibe es vielmehr, auch die Krippenplätze in Frankfurt kostenlos zu machen. Derzeit komme das aber wegen der „angespannten Haushaltslage“ nicht in Betracht. In Frankfurt zahlen Eltern für Krippen im Monat 198 Euro für den ganzen Tag. Hinzu kämen noch die Essenskosten in Höhe von 30 bis 50 Euro.

Offenbach: Anpassung der Gebühren für U3- Betreuung geplant

In Offenbach gibt es derzeit nach Angaben einer Sprecherin der Verwaltung Gespräche zwischen der Stadt und den freien Anbietern über Anpassungen der Gebühren für Kinder unter drei Jahren. Derzeit sei aber noch nichts entschieden. Es könne in alle Richtungen gehen, also auch nach unten, meinte sie.

Hanau: Keine Erhöhung geplant

In Hanau seien bei der Kinderbetreuung keinerlei Gebührenerhöhungen oder Aufpreise für die Nachmittagsbetreuung geplant, sagte eine Stadtsprecherin

Wetzlar: Vorerst keine Änderung geplant

Auch die mittelhessische Stadt Wetzlar plant derzeit keine Gebührenerhöhungen für Krippen oder Kitas. Zuletzt seien die Gebühren im vergangenen August um etwa zehn Prozent angehoben worden, teilte ein Sprecher mit. Ein Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren kostet die Eltern derzeit pro Monat 154 Euro, bei einer ganztägigen Betreuung 214 Euro. Für den Besuch einer Kita werden in der Regel 132 Euro fällig, bei einer Betreuung von mehr als fünfeinhalb Stunden 176 Euro.

Marburg: Keine Gebühren für Ü3-Betreuung

In Marburg sollen dreijährige und ältere Kinder ab dem 1. August eine Kita gebührenfrei besuchen können. Das gelte auch für die Ganztagsbetreuung, hatte die mittelhessische Uni-Stadt vergangene Woche angekündigt. Krippenplätze sollen um rund zehn Prozent günstiger werden und dann zwischen 125 und 142 Euro kosten. Den Plänen muss noch die Stadtverordnetenversammlung zustimmen.

Fulda: Ganztagsbetreuung wird günstiger

Die Stadt Fulda will Kita-Gebühren teilweise neu ordnen. Derzeit kostet ein Ganztagsplatz die Eltern 133 Euro im Monat. Die Vormittagsbetreuung kostet 100 Euro. In Zukunft will die Stadt für eine Ganztagsbetreuung 60 Euro pro Monat nehmen. Eltern, die ihr Kind, das drei Jahre und älter ist, nicht mehr als sechs Stunden in die Kindertagesstätte bringen, müssen nichts mehr zahlen.

Empfohlene Kanäle