Ankerzentren für Flüchtlinge: Kein Standort in Hessen geplant

Am 16.05.2018 veröffentlicht

Hessen will keinen neuen Standort für die geplanten Asyl- und Abschiebezentren der Bundesregierung zur Verfügung stellen. "Das, was in einem Ankerzentrum zu tun ist, geschieht modellhaft in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen schon lange", sagte der Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. "Und dabei bleibt es."

Schnelle Abwicklung, eine zügige Bearbeitung von Anträgen und gegebenenfalls auch die Rückführung. Quasi alles in einem Haus - ohne Umverteilung wie bisher. Dafür stehen die sogenannten Ankerzentren, auf die sich CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt hatten. Für Bundesinnenminister Horst Seehofer kann es mit dem Projekt nicht schnell genug gehen, die Länder sind bisher skeptisch.

So auch in Hessen: Wie Volker Bouffier am Mittwoch bekannt gab, wird es kein zusätzliches Ankerzentrum in Hessen geben. Am Standort Gießen arbeiten unterschiedliche Behörden bereits effektiv zusammen. Deswegen werde weder an dem Konzept noch an dem Namen der Einrichtung etwas geändert. In Hessen gebe es mit der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge bereits das, was in anderen Ländern erst umgesetzt werden müsse. Es bestehe also kein Handlungsbedarf, so der Ministerpräsident.

Bundesweit sollen Ende August/Anfang September die ersten fünf bis sechs Ankerzentren eröffnet werden. Läuft das Projekt gut, soll es bald rund 40 Zentren für Flüchtlinge geben. Neben rund 1.000 bis 1.500 Asylbewerbern sollen auch Richter, Ausländerbehörden, Jugendämter, Dolmetscher, Ärzte und das Bundesamt für Migration (Bamf) in den Zentren untergebracht sein. 18 Monate sollen Asylbewerber maximal dort bleiben, danach werden sie entweder auf die Kommunen verteilt oder abgeschoben.

Skeptiker des Projekts kritisieren vor allem die geplante Größe der Ankerzentren. Mit rund 1.500 Bewohnern bestehe erhöhtes Konfliktpotenzial, so unter anderem CDU-Politiker Lorenz Caffier. Auch die Integration sei erschwert, wenn Geflüchtete durch abgeschirmte Zentren in keinerlei Austausch mit Einheimischen kämen, erklärte Linken-Chefin Katja Kipping der Nachrichtenagentur AFP.

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