Versuchter Mord: Haftbefehl gegen Volkmarsen-Täter Maurice P.

Am 26.02.2020 veröffentlicht

Die Ermittlungen nach der Gewalttat beim Rosenmontagszug in Nordhessen mit rund 60 Verletzten laufen weiter auf Hochtouren. Am Abend erging ein Haftbefehl gegen Maurice P. Der 29-Jährige hatte am Montag sein Auto in der Kleinstadt Volkmarsen vorsätzlich in eine Menschenmenge gefahren.

Zum Zeitpunkt der Tat war der Autofahrer nicht betrunken; ob Drogen im Spiel waren, könne die Staatsanwaltschaft noch nicht sagen. Weil er laut Generalstaatsanwaltschaft dringend verdächtig ist, absichtlich in die Menschenmenge gefahren zu sein, wird dem 29-jährigen Deutschen nun versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen. 

Motiv noch immer unklar

Die Ermittler untersuchen nun weiterhin das Umfeld und Vorleben von Maurice P.. "Wir fokussieren uns auf Motiv und Auslöser der Tat", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt der Deutschen Pressagentur. "Es ist ein Stück weit ein Puzzle." Auch Datenträger würden ausgewertet. Ein öffentliches Statement zu den Ermittlungen werde es erst geben, wenn harte Fakten auf dem Tisch liegen, so die Staatsanwaltschaft.
Ermittelt wird weiterhin in alle Richtungen. Dabei schließe man laut Deutscher Presseagentur auch einen politischen Hintergrund nicht aus.

Polizei sucht weitere Zeugen

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wurden dabei 61 Menschen im Alter von 2 bis 85 Jahren verletzt - einige von ihnen schwer. Unter den Opfern sind 20 Kinder. Die Polizei Volkmarsen bittet auch Verletzte, bei denen keine ärztliche Hilfe notwendig war, und weiter Zeugen um Hinweise zum Tathergang. Unter der Rufnummer 0800/1103333 können sich Betroffene melden. Für Fotos und Videos steht das Hinweisportal unter https://polizei-hinweise.de/volkmarsen zur Verfügung.

Gottesdienst drückt Anteilnahme aus

Am Dienstagabend gab es in Volkmarsen einen ökumenischen Gottesdienst, an dem hunderte Menschen, u.a. auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) teilnahmen. Die Pfarrkirche St. Marien war schon lange vor Beginn des Gottesdienstes gefüllt. Hunderte Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, standen auf dem Kirchplatz zwischen Fachwerkhäusern und dem Rathaus. Einige Besucher hielten sich im Arm, wischten Tränen weg, Menschen beteten und sangen gemeinsam. Nach dem Gottesdienst, der über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde, stellten Menschen Kerzen an der Kirche ab.

Appell für Zusammenhalt

Ministerpräsident Bouffier äußerte sich mit einem Appell an die Deutschen: "Wenn wir etwas brauchen in diesem Land, dann ist es Zusammenhalt", sagte Bouffier. Die Täter - egal, welches Motiv sie hätten - hätten immer ein Ziel: "Sie wollen unser friedliches und häufig fröhliches Gemeinwesen stören. Sie wollen Angst schüren. Unsere Antwort muss klar sein, wir werden diesem nicht weichen."

Gaffer festgenommen

Ein sogenanntes Gaffervideo hatte am Montag auch zu einer zweiten Festnahme geführt. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen" ermittelt. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zu dem Vorfall gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

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