Versuchter Mord in 91 Fällen: Anklage gegen Volkmarsen-Raser

Am 18.12.2020 veröffentlicht

Am 24. Februar raste ein 30-Jähriger in den Rosenmontagsumzug im nordhessischen Volkmarsen und verletzte zahlreiche Menschen, darunter auch viele Kinder, schwer. Das Motiv ist bis heute unklar. Nun hat die Generalstaatsanwalt Frankfurt Anklage erhoben.

Bei einem Rosenmontagsumzug soll der 30-Jährige bewusst und ungebremst mit 50 bis 60 Stundenkilometern in die Menge von Teilnehmern und Zuschauern gefahren sein, um Menschen zu töten, wie die Anklagebehörde am Freitag mitteilte. Dem Deutschen wird versuchter Mord in 91 Fällen und gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen zur Last gelegt. 

Durch die Zusammenstöße mit dem Fahrzeug seien insgesamt 90 Menschen teilweise schwer verletzt worden, 20 hätten stationär und teilweise intensivmedizinisch in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Ein weiteres potenzielles Opfer habe sich rechtzeitig mit einem Sprung zur Seite retten können und sei unverletzt geblieben. «Eine Vielzahl weiterer Menschen soll durch die Tat traumatisiert und erheblich psychisch beeinträchtigt worden sein», teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Da der mutmaßliche Täter sein Auto am Vortag des Rosenmontagsumzugs so geparkt hatte, dass die Einfahrt in den abgesperrten Bereich möglich war, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Tat geplant war. Außerdem hat der mutmaßliche Täter eine Kamera in das Auto eingebaut, um das Tatgeschehen aufzunehmen.

Der 30-Jährige, der aktuell in Untersuchungshaft sitzt, schweigt weiterhin. Somit ist das Motiv weiter unklar, die Generalstaatsanwaltschaft geht aber nicht von einem politischen oder religiösen Hintergrund aus. Auch stand der mutmaßliche Täter nach Angaben zufolge weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Medikamenten oder Betäubungsmitteln. Zu den Vorwürfen gegen ihn gehört auch gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Der Prozess soll vor dem Landgericht Kassel stattfinden.

 

Quelle: dpa

Empfohlene Kanäle