Pressekonferenz des BKA: Verdächtiger nennt Ärger als Motiv für Datenklau

Am 08.01.2019 veröffentlicht

Der Verdächtige im Fall des massiven Datenklaus bei Politikern und Prominenten ist nach einem Geständnis wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er habe die Vorwürfe umfassend eingeräumt, teilten die Ermittler am Dienstag in Wiesbaden mit. Er sei am Sonntag vorläufig festgenommen, mangels Haftgründen aber am Montag wieder freigelassen worden. Im Rahmen der Pressekonferenz wurden auch Details zu den Motiven des jungen Hackers bekannt.

In einer Pressekonferenz des Bundeskriminalamts haben die Ermittler zum Datenklau-Fall einige Details verraten. Unter anderem wurde bekannt, dass der am Sonntag festgenommene Mann bereits am Montag wieder freigelassen wurde, da nicht genügend Haftgründe vorlagen. Der Beschuldigte habe auch Reue gezeigt und sei möglicherweise unbedacht oder leichtfertig gewesen. Bei jüngeren Tätern erlebe man oft, dass "ein großes Nachdenken einsetzt", wenn plötzlich die Polizei vor der Tür stehe. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wohnt der 20-Jährige bei seinen Eltern und fällt noch unter das Jugendstrafrecht.  

Ärger als Motiv für Datenklau

Der 20-Jährige hat in einer Vernehmung Ärger über Äußerungen seiner Opfer als Motiv für seine Taten genannt. Das teilte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk, der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, während der Pressekonferenz mit.  Zudem habe er erklärt, dass er alleine gehandelt habe. Die bisherigen Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine Beteiligung weiterer mutmaßlicher Täter gegeben, ergänzte Ungefuk.

Hacker-Kenntnisse selbst beigebracht

Der Beschuldigte sei sehr computeraffin, verfüge aber über keine entsprechende Ausbildung etwa als Informatiker, so Ungefuk. Der Mann habe viel Zeit damit verbracht, sich am PC bestimmte Kenntnisse selbst anzueignen. Das grundsätzliche Computer-Interesse und Zeit seien die Faktoren, die bewirkten, dass viele junge Leute ohne Informatik-Ausbildung sich solche Kenntnisse aneignen und entsprechend im Internet agieren könnten, sagte Ungefuk. 

Sicherheitslücken geschickt ausgenutzt

Dem jungen Mann sei es durch "ausgeklügelte Vorgehensweise" gelungen, die Daten auszuspähen. Es habe nicht nur eine, sondern mehrere Ausspähaktionen gegeben, vor allem im Jahr 2018. Zudem habe er Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen, so Ungefuk. Dabei habe der Verdächtige Sicherheitslücken genutzt, die inzwischen geschlossen werden konnten. Bei den Durchsuchungen habe es keine Hinweise auf eine politische Motivation für die Taten gegeben, diese Frage sei aber noch nicht abschließend geklärt.

Ermittler brauchten nur 48 Stunden

Die Ermittler hatten nach Angaben von BKA-Chef Holger Münch keine größeren Probleme, den Urheber des massiven Daten-Skandals ausfindig zu machen. Der Hacker habe Spuren hinterlassen und es den Behörden dadurch nicht sonderlich schwer gemacht, sagte Münch am Dienstag in Berlin. Die Experten des Bundeskriminalamts hätten längst nicht alle ihrer Möglichkeiten eingesetzt. Der Täter habe sich Zugang zu verschiedenen Accounts verschafft, dabei offensichtlich Hacking-Methoden und keine Schadsoftware eingesetzt. Sämtliche Zugänge seien dem tatverdächtigen 20-Jährigen entzogen worden, sodass keine weitere Gefahr von ihm ausgehe.

Der Hintergrund

Der verdächtige 20-Jährige soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Rund 1000 Politiker, Prominente und Journalisten sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums von dem Online-Angriff betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden wurden.

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