"Gefahr kommt von rechts": Gedenken an Hanau-Anschlag

Am 24.03.2020 veröffentlicht

Der Anschlag von Hanau und die Auto-Attacke in Volkmarsen haben Mitte Februar das ganze Land erschüttert. Im Landtag haben die Abgeordneten an die Opfer der beiden Gewalttaten gedacht.

"Zwei Attentate, die uns hier in Hessen zutiefst verunsichert haben, weil sie mitten unter uns geschehen sind. Zwei Attentate mit schrecklichen Folgen", sagte Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) in seiner Rede im Plenarsaal in Wiesbaden.

Bei dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau hatte in der Nacht zum 20. Februar ein Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln getötet. Weitere wurden verletzt. Bevor er sich selbst das Leben nahm, soll er seine pflegebedürftige Mutter getötet haben.

Nur wenige Tage später war während des Rosenmontagsumzugs im nordhessischen Volkmarsen ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Der Fahrer, ein 29-jähriger Deutscher, soll dies absichtlich getan haben. Es wurden mehr als 150 Kinder und Erwachsene körperlich und seelisch verletzt. Rhein nannte diese Tat "perfide, hinterhältig, wahnsinnig".

Erinnern an die Opfer

Boris Rhein erinnerte namentlich an die Todesopfer von Hanau. Dies seien zehn Menschen, Lebensgeschichten, Freunde, Söhne, Töchter, Bekannte und Nachbarn gewesen: "Es waren zehn von uns, deren Lebenslicht ganz gezielt und brutal ausgelöscht worden ist."

"Wir sind erschüttert, aber in meine Trauer mischt sich auch Bitterkeit und auch Zorn", sagte er. "Weil wir feststellen müssen, dass wir 75 Jahre nach der Shoah ein offensichtliches und bedrohliches Problem mit Rechtsextremismus haben." Die Hanauer Tat entstamme einer 'Unkultur des Hasses, der Verblendung und des Wahns'. 

Hanau sei die Eskalation rassistisch, antisemitisch und rechtsextremistisch motivierter Anschläge in Deutschland in jüngster Zeit. "Und das zeigt uns auch: Die Gefahr kommt von rechts", mahnte der CDU-Politiker.

"Wir müssen aufhören, unsere Gesellschaft in 'Deutsche' und 'Eingewanderte' einzuteilen", sagte er. Dies bilde nämlich die Realität in unserer Gesellschaft schon lange nicht mehr ab. Rhein forderte alle auf, gegen Alltagsdiskriminierungen, die Menschen mit Migrationshintergrund ständig erleben müssten, das Wort zu erheben. "Das, was wir brauchen, ist eine Kultur des klaren und des lauten Widerspruchs."

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