"Das ist ein Skandal": Psychiatrie-Reportage von "Team Wallraff" ist Thema im Sozialausschuss

Am 21.03.2019 veröffentlicht

Die aktuelle "Team Wallraff"-Reportage "Hinter geschlossenen Türen - undercover in Psychiatrie und Jugendhilfe" hat auch in Hessen für Aufsehen gesorgt. Reporter hatte sich als Praktikanten getarnt in deutsche Psychiatrien einschleusen lassen – und stießen dort auf teils erschreckende Zustände. Auch aus dem Klinikum Frankfurt Höchst gibt es beunruhigende Aufnahmen. Am Donnerstag befasst sich der Sozialausschuss des Landtags in Wiesbaden mit dem Thema.

Überfordertes Personal, Patienten, die zur Strafe auf dem Flur schlafen müssen und Medikamente, die ohne Einwilligung verabreicht werden - die Reporter von "Team Wallraff - Reporter undercover" sind bei ihren Recherchen in deutschen Psychiatrien auf schockierende Zustände gestoßen. Aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Frankfurt Höchst gibt es Aufnahmen von Hygienemängeln und Patienten, die tagelang in ihren Betten fixiert wurden. In einer Stellungnahme weist die Klinik diese Vorwürfe zurück: "Der Umgang mit schwer psychisch kranken Patienten ist oft hoch konflikthaft. Bei nur ausschnittsweiser Betrachtung können leicht erhebliche Zerrbilder entstehen. [...] Alle für psychiatrische Kliniken geltenden gesetzlichen Vorschriften inkl. der geltenden Personalanforderungen sowie für die Fixierung werden selbstverständlich beachtet."

Hessisches Sozialministerium fordert Aufklärung

Das hessische Sozialministerium, dessen Fachaufsicht die Kliniken kontrolliert, fordert umgehend eine Aufklärung der Vorwürfe. Am Donnerstag hat sich auch der Sozialausschuss im Landtag mit der Thematik befasst. Die Landespolitik liefert sich nun ein Wettrennen, wer schneller und intensiver Aufklärung in Sachen "Psychiatrie in Höchst" fordert. Sozialminister Kai Klose sagte zu uns: "Es gab bisher keinerlei Hinweise, dass an dieser Klinik fachlich etwas zu beanstanden ist. Wir werden dem nochmal nachgehen, denn sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, dann gibt es hier natürlich einen Handlungsbedarf." Der Ton von Linken-Politikerin Christiane Böhme ist da schärfer: "Das ist ein Skandal, das darf nicht passieren. Es darf nicht passieren, dass Menschen über Wochen hinweg fixiert sind. Das ist menschenunwürdig. Ich möchte eine Revision der Konzepte und an der Herangehensweise der Arbeit in der Psychiatrie."

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